Stefanie Samland
Methoden wissenschaftlichen Arbeitens
Eine Rezension zu:
Ulrich Paetzel
Wissenschaftliches Arbeiten
Überblick über Arbeitstechnik und Studienmethodik
Cornelsen, Berlin 2001, 136 S., 8,95 €
ISBN 3-464-49803-4
http://www.cornelsen.de
“Wissenschaftliches Arbeiten” ist Teil der Reihe “Cornelsen Studien-Manual Wirtschaft” im Cornelsen-Verlag. Die zwölf Werke dieser Reihe richten sich
vorrangig an Studenten, die später in der Wirtschaft ihre berufliche Karriere sehen und sollen Methoden- und Sozialkompetenzen vermitteln. Das vorliegende Buch enthält zwar
auch Beispiele aus dem Wirtschaftsstudium, jedoch treffen die Anregungen und Tips zum wissenschaftlichen Arbeiten auch auf Studenten anderer Fachrichtungen zu.
Der Autor Ulrich Paetzel ist Dozent für Arbeitstechniken, Zeit- und Organisationsmanagement und Wissenschaftliches Arbeiten. Er geht im Buch chronologisch vor und beleuchtet
alle Schritte, die beim Verfassen einer wissenschaftlichen Arbeit zu durchlaufen sind. Dies umfaßt die Punkte Sinn und Zweck wissenschaftlichen Arbeitens, Rahmenbedingungen,
Themenwahl, Materialsammlung, Materialauswertung, Planung der Arbeit sowie Aufbereitung der Arbeitsergebnisse. Jeden dieser Schritte ist ein eigenes Kapitel gewidmet.
Das Buch besticht schon optisch durch seine Übersichtlichkeit. Nicht nur, daß der Autor die Kapitel den Schritten wissenschaftlichen Arbeitens anpaßt, jedes Kapitel beginnt
mit einer grau eingefärbten Seite, so daß man schon beim Blättern leicht den nächsten Abschnitt findet. Außerdem nimmt der Text nur zwei Drittel der Breite der Buchseiten
ein, im jeweils äußeren Drittel stehen stichwortartige Zusammenfassungen der einzelnen Absätze, was ein schnelles Überblicken des Stoffes ermöglicht. Überschriften, aber
auch wichtige Worte inmitten eines Absatzes sind in Fettdruck gesetzt. Zudem verwendet der Autor Abbildungen, optisch gekennzeichnete Aufzählungen, Frage- und
Zusammenfassungskästen oder Aufgaben für den Leser. Auf diese Weise ist es sehr einfach, den Ausführungen zu folgen, ein Blick auf eine Doppelseite, und der Leser weiß
sofort, was auf ihn zukommt.
Aber auch inhaltlich – das sei hier schon vorweggenommen und soll im folgenden exemplarisch dargestellt werden – überzeugt das vorliegende Anleitungsbuch. So
verbleibt Paetzel z.B. im Kapitel über die Themenwahl nicht bei allgemeinen Hinweisen, sondern durchleuchtet Vor- und Nachteile verschiedenster Arten wissenschaftlicher
Arbeiten, nämlich historischer, theoretischer, aktueller oder empirischer Themen sowie Arbeiten, die in Verbindung mit einem Unternehmen angefertigt werden. Dadurch erhält
der Leser Ansätze, nach welchen Kriterien er bei der Themenwahl vorgehen kann.
Im Kapitel Materialsammlung stellt der Autor verschiedenste Wege der Literaturbeschaffung vor. Neben konkreten Literaturhinweisen zu Wirtschafts-Lexika und Bibliographien
werden die OPAC-Recherche und Fernleihbestellung erläutert. Bezüglich der Materialauswertung geht Paetzel auf Lesetechniken ebenso ein wie auf die Arbeit mit einem Dokument.
Am Beispiel eines kurzen Textes über Welthandelspolitik wird demonstriert, wie man in einem Text wichtige Passagen markiert und Definitionen, Widersprüche oder
Gegenüberstellungen kennzeichnet. Hier sieht der Leser wieder, daß das Buch nicht abstrakte neunmalkluge Ratschläge, sondern konkrete und hilfreiche Demonstrationen von
Methoden enthält. Wirklich ertragreich ist es jedoch nur, wenn der Leser die angegebenen Aufgaben auch nachvollzieht und selbst das Gelernte ausprobiert und übt.
Die Bedeutung von Planungen wird im folgenden Kapitel angerissen und mit zahlreichen Übersichten und Tabellen untermalt. Anhand von „Tipps“ wird aufgezeigt, wie
effektives Zeitmanagement und die Ausnutzung von Leistungs-Hochs bewältigt werden kann. Wie schon im bisherigen Teil des Buches wird dabei der zu vermittelnde Stoff am
Beispiel des Wirtschaftsstudenten Sebastian erklärt, was zu einer lebensnahen Darstellung führt, denn die Probleme, die Sebastian begegnen, kennt jeder Student in
irgendeiner Variation. Der Teil, den man beim Titel „Wissenschaftliches Arbeiten“ wohl am ehesten erwartet, nämlich Anregungen für konkrete Formen
wissenschaftlichen Arbeitens bzw. für Teile einer wissenschaftlichen Arbeit, folgt nun im Kapitel „Aufbereitung der Arbeitsergebnisse“. Hier wird auf
Literaturverzeichnis, Gliederung, Einleitung, Hauptteil und Schluß eingegangen. Diese Ausführungen sind jedoch relativ kurz, denn dies hat jeder Student schon in der Schule
gehört. Dem Autor des vorliegenden Buches kommt es mehr auf die Vermittlung von Methoden an, so konzentriert er sich in diesem Kapitel u.a. auf richtiges Zitieren.
Als Anhang folgt schließlich ein sogenannter „Serviceteil“. Wiederum anhand von „Tipps“, die übersichtlich dargestellt werden, macht Paetzel zum
Thema „Selbstmotivation“ Mut. Außerdem enthält der Anhang die URLs der Online-Katalogen deutscher Universitätsbibliotheken, ein Literatur- und ein
Stichwortverzeichnis.
Festzustellen ist, daß man mit dem Cornelsen-Buch keine Haus- oder Doktorarbeit aus dem Hut zaubern wird, dennoch gibt es einen vortrefflichen Eindruck in die für
wissenschaftliches Arbeiten nötigen Methoden. Es macht Mut, an eine wissenschaftliche Arbeit optimistisch heranzugehen, diese sinnvoll zu planen und sich nicht im
Literaturwust zu verirren. Wer beim Verfassen von Hausarbeiten bisher zeitliche oder organisatorische Probleme hat – und wer kennt die nicht – sollte dieses sehr
übersichtliche, leicht verständliche und mit weniger als 10 Euro auch sehr günstige Buch unbedingt lesen!
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