Zum Studienbeginn müssen die Jurastudenten nicht nur den juristischen Stoff pauken, sondern auch die juristische Arbeitstechnik und den Gutachtenstil üben, üben und nochmals
üben. Wer an seiner ersten Hausarbeit sitzt und schon mit dem Thema und dem Stil zu kämpfen hat, ist meist erst recht entmutigt, wenn auch noch das Textverarbeitungsprogramm
nicht tut, was es soll oder wenn mangels besserer Kenntnisse des Programms Verzeichnisse u.ä. per Hand mühsam erstellt wurden und schließlich noch irgendwo ein Eintrag
hinzukommt, der die gesamte Zählung durcheinander bringt.
In dieser Situation kommt das neu erschienene Buch "Haus- und Examensarbeiten mit Word" gerade richtig. Anders als andere Word-Ratgeber (z.B. das umfangreiche Werk von
Nicol/Albrecht) konzentrieren sich die Autoren auf die Funktionen von Word, die speziell für juristische Haus- und Examensarbeiten hilfreich
sind. Somit kommt das Buch trotz zahlreicher Abbildungen mit knapp 150 Seiten aus. Das Buch ist aus Unterlagen von Kursen zu "Juristischen Hausarbeiten mit Word" an der
Universität Köln entstanden.
Das Werk ist in drei Kapitel unterteilt. Im ersten Kapitel wird Schritt für Schritt der Leser an die Hand genommen und eine Vorlage für eine juristische Hausarbeit
erarbeitet. Diese enthält neben den Einstellungen für den eigentlichen Gutachtentext insbesondere Hinweise für Deckblatt, Sachverhalt, Literaturverzeichnis und Gliederung.
Hier erfährt der Leser z.B., wie die durcheinander eingegebenen Einträge im Literaturverzeichnis alphabetisch sortiert werden können, wie ein automatisches
Inhaltsverzeichnis erstellt wird und wozu Abschnittswechsel sinnvoll sind.
Das zweite Kapitel ist mit "Tipps und Tricks" betitelt. Hier zeigen die Verfasser auf, wie man mit Schriftarten und -größen oder Zeilenabständen variieren kann, um mit dem
Platz hinzukommen. Dabei gehen sie jeweils darauf ein, was noch unter formalen Gesichtspunkten als erlaubt gilt und womit man besser vorsichtig sein sollte. Zudem werden
hier geschützte Leerzeichen und Querverweise vorgestellt, einzelne Extra-Funktionen (Rechtschreibprüfung, Autokorrektur) präsentiert und ein Trick verraten, wie die Fußnoten
immer auf der richtigen Seite landen sollen.
Im dritten Kapitel findet der Leser Kurzreferenzen für alle Word-Versionen ab Word 97. Jeder kann so anhand seiner Version in aller Kürze nachschlagen, welche Befehle er für
welches gewünschte Resultat aufrufen muss. Vorlagen für alle Word-Versionen bieten die Autoren auf ihrer Homepage
http://www.wordbuch.de bzw.
http://www.jurahausarbeit.de zum Download an.
Dem geringen Umfang des Buches und der Tatsache, dass sich das Buch an Word-Anfänger richtet, geschuldet, bleiben Details außen vor, die für die juristische Hausarbeit nicht
unbedingt nötig sind. So wird man im vorliegenden Buch Feldfunktionen für die Kopfzeilen oder Korrekturlese-Optionen (Änderungen verfolgen) vergeblich suchen. Wer hierzu
etwas wissen will, muss die allgemeineren und umfangreicheren Werke konsultieren. Eine Sache wäre aber auch im Buch von Krämer/Rohrlich noch interessant gewesen – die
Ansichtsfunktion "Dokumentstruktur". Diese ermöglicht ein zügiges Hin- und Herspringen zwischen verschiedenen Abschnitten der Arbeit. Ansonsten sind lediglich kleinere
Tippfehler zu bemängeln. Grafisch fällt auf, dass hier und da fast eine halbe Seite frei bleibt, weil die darauf folgende Grafik zu groß ist, um dort noch hinzupassen.
Gesamteindruck:
Für Studienanfänger, die bisher noch keinen wissenschaftlichen Text mit Word verfasst haben, ist das vorliegende Büchlein eine sehr willkommene Hilfe und vor allem eine
Stress-Entlastung für das Verfassen der ersten Hausarbeit/en. Anhand der einfach verständlichen Erläuterungen und der vielen Abbildungen sind die Einstellungen ein
Kinderspiel. Großes Plus des Buches: Es ist das Einzige, das speziell auf die Bedürfnisse von Jurastudenten abgestimmt ist! Wer jedoch schon ein fortgeschrittener
Word-Nutzer ist, wird hier kaum Neues entdecken. Mit knapp 15,- € ist das Buch im Vergleich zu dem umfangreicheren Werk von
Nicol/Albrecht, welches sich aber eher an Fortgeschrittene richtet, auch nicht gerade ein Schnäppchen.