Stefanie Samland
26.02.2004
Sehr gelungenes Lernbuch
Eine Rezension zu:
Martina Weber
Arbeitsrecht
für Studium und Referendariat
1. Auflage
Recht schnell !, Köln 2003, 357 Seiten, 15,- €
ISBN 3-935179-52-9
http://www.recht-schnell.com
Hochmotiviert spricht die Autorin des vorliegenden Buches ihre Leser an: Sie wolle die Fähigkeit vermitteln "eine Klausur auf argumentativ hohem Niveau bewältigen zu
können". Hierzu soll ein Buch geboten werden, dass den kompletten examensrelevanten Stoff des Arbeitsrechts für beide Examina beinhaltet, lernfreundlich aufbereitet ist,
inhaltliche Schwerpunkte bildet und klare Strukturen, Merksätze und Zusammenfassungen enthält. – Kurz: Das Buch, mit dem die Verfasserin selbst gern gelernt hätte.
Dieses Vorwort enthält zwar zwischen den Zeilen einige Seitenhiebe auf wissenschaftliche Lehrbücher, dennoch ist es an dieser Stelle gerechtfertigt, denn – das sei
hier vorweggenommen – Weber schafft es tatsächlich, ein Buch zu schreiben, mit dem man lernen und verstehen kann. Das Buch ist im Verlag "Recht schnell !" und
dort in der Reihe Kleiner Fuchs erschienen und befindet sich auf dem Stand März 2003.
Schon beim ersten Durchblättern überzeugt die Optik. Den Leser erwartet ein sehr ansprechendes Druckbild mit ansehnlichen Formatierungen der Überschriften, übersichtlichen
Strukturen, grau hinterlegten Kästen für Beispiele und Merksätze sowie Kästen für Zusammenfassungen. Dadurch, dass weder Fußnoten noch sonstige Verweise auf Schrifttum und
Rechtsprechung den Lesefluss stören, kann man das Buch sehr entspannt durchlesen und nebenher in den Arbeitsgesetzen blättern. Hervorhebungen und ein geordneter
Schriftgrößenwechsel zwischen Erläuterungstext und vertiefenden oder zusammenfassenden Kästen erleichtern den Überblick über das Wichtigste.
Zu Beginn des Buches bietet Weber einen Einleitungsteil mit einer sehr kurzen Einführung in das Arbeitsrecht. Hier ist eigentlich nicht viel Neues zu erfahren, außer
vielleicht, was Inhalt arbeitsrechtlicher Klausuren in den Examina sind. Die Grundlagen folgen dann schon im Hauptteil des Buches, der sich auf den zweiten Teil zum
Individualarbeitsrecht (246 Seiten) bzw. den dritten Teil zum Kollektivarbeitsrecht (54 Seiten) erstreckt. Es folgen zwei weitere Teile mit den Themen "Arbeitsprozessrecht
für das Studium" und "Arbeitsrecht im Referendariat", die kürzer ausfallen und den Inhalt gut abrunden.
Der zweite Teil beginnt mit den Abschnitten "Grundlagen und Grundbegriffe" sowie "Rechtsquellen und Gestaltungsfaktoren". Hier werden sehr eingängig die Klausurprobleme um
den Arbeitnehmerbegriff, das Zusammenspiel von Normen aus BGB, HGB, arbeitsrechtlichen Spezialgesetzen und der Rechtsprechung des BAG sowie die Normenhierarchie im
Arbeitsrecht erläutert. Außerdem gibt es Ausflüge in das Europarecht und in die Materie der Grundrechte. Letztere wird sehr umfassend behandelt und bietet mit Sicherheit
eine solide Grundlage für entsprechende Klausuren oder auch die mündliche Prüfung. Die vielen Beispiele verdeutlichen die genannten Probleme und zeigen Klausurthemen auf.
Überhaupt ist es besonders auffällig, wie häufig die Verfasserin auf Schwerpunkte in Klausuren hinweist; so wird wirklich deutlich, welche Kenntnisse unverzichtbar sind.
Formulierungsvorschläge sind dazu eine ebenso gute Idee wie die ebenso vorhandenen Aufbauschemata. Auch die Gesetzesvielfalt im Arbeitsrecht wird gut aufgedröselt, inkl. der
Unterscheidung zwischen zwingendem und dispositivem Recht.
Anschließend geht Weber den Weg von der Begründung bis zur Beendigung eines Arbeitsverhältnisses durch. Hervorzuheben sind hier die übersichtliche Darstellung der
Offenbarungspflichten bei Abschluss eines Arbeitsvertrages, die Klausurhinweise bei den Leistungsstörungen oder eine problemorientierte Aufschlüsselung des Prüfungsschemas
zur ordentlichen Kündigung. Auch im Teil zum Kollektivarbeitsrecht werden wieder Grundrechtsaspekte thematisiert. Der Schwerpunkt dieses Teils liegt im
Betriebsverfassungsrecht. Als Anhang nach dem dritten Teil wird noch eine Übersicht einschlägiger Anspruchsgrundlagen geboten. Im vierten Teil wird in die klausurrelevanten
Klagen vor dem Arbeitsgericht eingeführt. Selbstverständlich wird dies knapp abgehandelt, denn arbeitsgerichtliches Spezialwissen wird im ersten Examen nicht verlangt. Der
fünfte Teil enthält wiederum Formulierungsvorschläge für den Referendar, der am Arbeitsgericht oder im zweiten Examen Urteile entwerfen muss.
Gesamteindruck:
Wer im Arbeitsrecht keine Seminararbeit schreiben oder promovieren will, somit also auf Detailaufsätze und Kommentare verzichten kann, sondern einfach nur sich ins
Arbeitsrecht einarbeiten und gute Klausuren schreiben möchte, der ist mit dem vorliegenden Buch bestens bedient. Weber gelingt es, eine gute Mischung aus
Erläuterungen, Beispielen und Übersichten zusammenzustellen, die den Stoff des Arbeitsrechts anschaulich vermittelt. Mit diesem Konzept kann man lernen! Schade, dass die
Reihe noch nicht bekannter ist.
|