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Artikel 10479
RA Pascal Croset
Der Autor ist Rechtsanwalt in Berlin und Repetitor bei AREP – Repetitorium für Arbeitsrecht
20.08.2005

Arbeitszeugnisse rationell erstellen und prüfen

Eine Rezension zu:

Arnulf Weuster / Brigitte Scheer

Arbeitszeugnisse in Textbausteinen


10. Auflage

Boorberg, Stuttgart 2005, 384 Seiten, 19,90 €
ISBN 3-415-03441-0

http://www.boorberg.de


Scheidet ein Arbeitnehmer aus dem Arbeitsverhältnis aus, so hat der Arbeitgeber ihm auf Wunsch ein Arbeitszeugnis auszustellen. Dieses Arbeitszeugnis im Falle einer Stellenbewerbung dem potenziellen neuen Arbeitgeber einen umfassenden Überblick über den Verlauf des beendeten Arbeitsverhältnisses geben. Die Erfahrungen des ehemaligen Arbeitgebers sollen dem neuen zugänglich gemacht werden, insoweit ist der ausstellende Arbeitgeber an die Wahrheitspflicht gebunden. Indes soll dem Arbeitnehmer sein berufliches Fortkommen nicht ungerechtfertigt erschwert werden, so dass dem ausstellenden Arbeitgeber auch eine so genannte Wohlwollenspflicht auferlegt wird: Vereinfacht gesagt muss er alles erwähnen, dies jedoch in jedem Fall positiv formulieren. In diesem Spannungsfeld hat sich über Jahrzehnte eine hochdifferenzierte Zeugnistechnik entwickelt. Man kann hier getrost von einer eigenen "Zeugnissprache" sprechen. Denn längst können nur noch Zeugnis-Experten die in Zeugnissen enthaltenen – und ggf. fehlenden! – Formulierungen entschlüsseln.

Vielfach hört man von Personalern und arbeitsrechtlich befassten Praktikern, dass die Bedeutung von Arbeitszeugnissen als gering einzuschätzen sei. Denn Arbeitgeber neigten häufig dazu, Gefälligkeitszeugnisse zu erstellen, um gerichtliche Konflikte zu vermeiden. Tatsächlich verpflichten sich Arbeitgeber häufig im Rahmen von Vergleichverhandlungen zur Abfassung überschwänglich guter Beurteilungen, um eine Verminderung der Abfindungszahlung zu erreichen. Indes ist es aus Sicht des Praktikers müßig, über die tatsächliche Relevanz von Arbeitszeugnissen zu spekulieren: Der Trend zu einschlägigen Konflikten ist ungebrochen, die Zahl der Zeugnisberichtigungsklagen nimmt zu.

Das vorliegende Werk wurde von Praktikern für Praktiker entwickelt, die regelmäßig mit der Erstellung und Prüfung von Zeugnissen befasst sind. Dabei wendet sich das Werk konsequent an den Experten mit Vorwissen, Laien seien andere Werke empfohlen. Akribisch haben die Autoren insgesamt 3.000 typische Textbausteine gesammelt, systematisch katalogisiert und kommentiert. Entsprechend dem inzwischen typischen Aufbau eines qualifizierten Zeugnisses sind die verschiedenen Textbausteine den Bereichen Aufgabenbeschreibung, Leistungsbeurteilung, Sozialverhalten und Beendigungsformel/Dankes-Bedauern-Formel zugeordnet. Dabei wurde jeweils eine Unterteilung nach verschiedenen Beschäftigtengruppen (Azubis, Volontäre, AT-Angestellte, leitende Angestellte), die eine zielgruppenspezifische Zuordnung der einzelnen Formulierungen erleichtert. Innerhalb der genannten Unterteilungen werden sodann für jede einzelne Bewertungsstufe – von sehr gut bis mangelhaft – eine Vielzahl erprobter und üblicher Formeln angeboten. Vielfach wurden auch bestimmte branchenübliche Wendungen integriert. Besonders hervorzuheben ist, dass im Bereich der leitenden Angestellten auch Formulierungen in englischer Sprache aufgenommen wurden. Angesichts immer häufiger auftretender internationaler Bezüge ist dies sehr hilfreich.

Gesamteindruck:
Die "Arbeitszeugnisse in Textbausteinen" tragen den Bedürfnissen der modernen Personalarbeit in vollem Umfang Rechnung und bieten ein hervorragendes Werkzeug zur rationellen Zeugniserstellung und -prüfung. Durch ein sehr übersichtliches Layout und eine außerordentlich gut strukturierte Aufbereitung erhält der Leser schnellen Zugriff auf die für seinen hierarchische und branchentechnische Situation relevanten Bausteine. Insgesamt ist es den Autoren gelungen, auch in der nunmehr 10. Auflage ein Standard-Werk von hoher Qualität zu verfassen, das in keiner Personalabteilung und Rechtsanwaltskanzlei fehlen darf.
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