Jurawelt

Artikel 10171
Niclas Bamberg
15.04.2005

Das Schweizer Messer für den Arbeitsrechtler

Eine Rezension zu:

Klaus Hümmerich / Matthias Spirolke

Das arbeitsrechtliche Mandat


3. Auflage

Deutscher Anwaltverlag, Bonn 2005, 2.232 Seiten, 132,- €
ISBN 3-8240-0690-1

http://www.anwaltverlag.de


Im Alltag des Anwalts haben sich bisher Hilfsmittel bewährt, die bei der Lösung des Falles und Erarbeitung einer angemessenen Strategie in möglichst kurzer Zeit zum Ziel führen. Dabei sind übliche Lehrbücher nicht so ergiebig wie spezielle Literatur zur Bearbeitung des Mandats. Der Anwaltverlag verspricht in seiner Reihe Das Mandat eine ergiebige und zielgerichtete Arbeitsvorlage für Anwälte an. Die neu erschienene Auflage "Das arbeitsrechtliche Mandat" ist gezielt an den Arbeitsrechtler gerichtet.

Das Buch beeindruckt im Vergleich zu einigen anderen Titeln der Reihe mit seinem Umfang. Auf über 2.000 Seiten werden alle erdenklichen arbeitsrechtlichen Schwerpunkte abgedeckt. Nach den obligatorischen Vorworten und Aufbaubemerkungen wird nicht nur das Arbeitsverhältnis in all seinen Facetten behandelt, sondern auch der Bezug zu Themenbereichen wie Gesellschaftsrecht, Betriebsverfassungsrecht, Einzelheiten zur Arbeitsgerichtsbarkeit und auch Arbeitskampfrecht hergestellt. Die einzelnen Abschnitte sind von weiteren Autoren verfasst. Ausgesuchte Autoren der arbeitsrechtlichen Praxis bereichern die Darstellung des Arbeitsrechts und stellen dabei einen besonderen praxisrelevanten Bezug her. Vertreten sind sowohl Rechtsanwälte und Richter von Landesarbeitsgerichten und dem BAG als auch Wissenschaftler, Minister und Rentenberater für die Gebiete der gesetzlichen Kranken- und Unfallversicherung.

Die einzelnen Abschnitte sind erfreulich prägnant und übersichtlich verfasst. Der Leser wird durch gezielte Fettschrift auf die tragenden Stichwörter aufmerksam gemacht, was für den vorgebildeten Juristen tatsächlich schon beim Überfliegen eine geistige Durchdringung des Inhalts ermöglicht. Jedem Abschnitt steht eine Kurzgliederung voran, die das vorbildliche und umfangreiche Stichwortverzeichnis ergänzt. Die Darstellung steht auf mehreren Säulen. So wird einleitend in das jeweilige Teilgebiet eingeführt. Dem schließt sich eine knappe Darstellung der eigentlichen juristischen Dogmatik an. Diese ist kurz gehalten und beschränkt sich auf das Wichtigste, erscheint jedoch gerade auch für die Praxis nützlicher als die einschlägige wissenschaftliche Literatur. Ebenfalls sehr nützlich sind Fälle, die die konkrete Mandatsbearbeitung am Fall praktisch darstellen. Somit wird die gesamte Bandbreite der anwaltlich gebotenen Handlungen anschaulich beschrieben und nachvollziehbar. Dies ist besonders sinnvoll, da hiermit auch Erwägungen inbegriffen sind, die erst nach größerer Erfahrung angestellt werden. So seien die Verwebung von Renten- und Sozialkosten, Interessenausgleich und der Abschluss eines Sozialplanes im Rahmen der vom Rechtsanwalt geführten Verhandlungen exemplarisch genannt. Alle Ausführungen sind mit zahlreichen Fußnoten, hauptsächlich aus der ganz aktuellen Rechtsprechung, belegt und dementsprechend auch ohne Weiteres durch Übernahme in eigene Schriftsätze praktisch nutzbar. Unterstützt wird die Umsetzung des Inhalts auch mit zahlreichen Praxisvorlagen wie Schreiben an Mandanten und Gerichte. Das Buch enthält weiterhin auch die "Formalia" des arbeitsrechtlichen Mandats und hilft ausführlich bei der Bestimmung von Gebühren und Kosten.

Gesamteindruck:
Insgesamt ist das Buch eine unverzichtbare Lösung für jeden Rechtsanwalt, der mehr als zehn arbeitsrechtliche Mandate pro Jahr abwickelt. Tatsächlich sind die Kosten der Anschaffung dieses Buches gering im Vergleich zu dem Zeitnutzen, der sich aus der aktuellen Darstellung ergibt. Selbst für erfahrene Fachanwälte dürfte das Werk des Anwaltverlages eine sinnvolle Anschaffung darstellen, weil durch die tiefgreifenden Reformen der letzten Jahre Änderungen in vielen Bereichen des arbeitsrechtlichen Mandats aufgetreten sind. So hat nicht nur das Rechtsanwaltsvergütungsgesetz entscheidende Änderungen mit sich gebracht. Speziell für das Arbeitsrecht führen das veränderte Kündigungsschutzrecht, die Einführung der Doppelschwelle in § 23 KSchG, die Vermutung der Betriebsbedingtheit von Kündigungen und die Rüge der Sozialauswahl bei nur grober Fahrlässigkeit im Rahmen von Interessenausgleichsregelungen mit Namensliste und Änderungen im SGB III, die Schuldrechtsmodernisierung, die Neuerungen im Schwerbehindertenrecht im SGB IX sowie die Regelungen für alle Arbeitnehmer in den §§ 105 ff. GewO erhebliche Änderungen in Beratung und Rechtsverteidigung mit sich. Aufgrund der sehr guten Darstellung kann ich dieses Werk als universelles Arbeitswerkzeug empfehlen.
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