Jurawelt

Artikel 8383
Hannes Münchinger

Fachübergreifende Materie

Eine Rezension zu:

Bernd-Dieter Meier

Kriminologie


Grundrisse des Rechts

C.H. Beck, München 2003, 320 Seiten, 14,- €
ISBN 3-406-50738-7

http://www.beck.de


Das Einführungslehrbuch zur Kriminologie ist nach dem Werk zum Jugendstrafrecht, an dem der Autor des nun vorliegenden Buches auch mitgewirkt hat, eine weitere Neuerscheinung im Bereich des Strafrechts der Reihe Grundrisse des Rechts. So wird auch die Wahlfachgruppe "Kriminologie / Jugendstrafrecht / Strafvollzug" mehr und mehr von der Einsteigerreihe im Beck-Verlag bedient.

Die Kriminologie ist bei weitem kein rein juristisches Feld. Hier wirken verschiedene Wissenschaften zusammen, am ehesten wohl die Soziologie und die Rechtswissenschaft, aber auch die Psychologie. Weil die meisten Jurastudenten höchstens in einer Grundlagenveranstaltung die anderen beiden Materien näher betrachtet haben, gibt Meier seinen Lesern ein sehr umfangreiches Literaturverzeichnis sowie jeweils am Ende eines Kapitels weiterführende Literatur an die Hand. Zudem setzt er ein hohes Augenmerk auf die Einführung, in der er die Kriminologie von der Kriminalistik, der Juristerei und der Kriminalpolitik abgrenzt sowie wichtige Begriffe der Kriminologie erklärt. Auch wird dem aufmerksamen Leser nach einigen Seiten klar, womit genau sich die Kriminologie beschäftigt, nämlich mit dem Phänomen des Verbrechens in seinem psychologischen und gesellschaftlichen Kontext. Er wird darauf hingeführt, dass der weitere Part des Buches sich mit Fragen wie "Warum begehen Menschen Verbrechen?", "Welche sozialen, gesellschaftlichen oder biologischen Hintergründe gibt es, um Verbrechen zu erklären?" oder "Wo kann man ansetzen, um Verbrechen vorzubeugen?" beschäftigt.

Besonders ausführlich geht der Verfasser auf die Theorien ein, aus denen sich die Wissenschaft der Kriminologie entwickelt hat. Sehr interessant sind die Ausführungen dazu, wie sich die Ansichten von einer sehr erblich-biologisch geprägten Idee zu einer Mischform aus Erbanlagen und sozialer Prägung geändert haben. Die von Franz von Liszt geprägte "Anlage-Umwelt-Formel" spielt in diesem Kapitel eine zentrale Rolle. Doch wie sieht die konkrete Arbeit der Kriminologen aus? Ein Kapitel wendet sich der Frage der Forschungsmethoden zu und stellt dar, wie empirische Untersuchungen in der Kriminologie aussehen können. Dies wird dann gleich im folgenden Kapitel mit dem öffentlichen Interesse für Kriminalitätsstatistiken verbunden. Sehr anschaulich wird das Buch, weil Meier nicht nur Inhalt und Funktion dieser Statistiken erläutert, sondern auch eine Menge realer Statistiken, z.B. zur Kriminalitätsentwicklung der vergangenen 20 Jahre, mit abdruckt.

Anschließend wird der "Täter" näher untersucht. Wie wird man zum Verbrecher? Welche Umstände und Umgebungen spielen hier eine Rolle? Wenngleich das vorliegende Buch aufgrund seines Umfangs und seiner Zielsetzung keine Theorienstreits bieten kann, so erfährt der Leser doch zumindest, welche Ansätze es hierzu gibt und erhält einen sehr lebensnahen Einblick in die Hintergründe von Kriminalität. Ein Kapitel später beschäftigt sich Meier mit der Kriminalprognose und der Frage, ob Kriminalität vorhergesehen werden kann. Danach wechselt die Blickrichtung und das "Opfer" wird näher analysiert. Es wird dargestellt, wie Menschen Opfer von Straftaten werden und welche Folgen die Tat für sie hat. Diese Gegenüberstellung ist vor allem für die Frage des Erfolgs eines Täter-Opfer-Ausgleichs von Bedeutung. Die strafrechtliche Sozialkontrolle und die Kriminalprävention sind Themen der folgenden Kapitel. Zum Ende des Buches widmet sich der Verfasser noch zwei aktuellen Themen, nämlich der Wirtschaftskriminalität sowie der Kriminalität und Strafverfolgung in Europa.

Gesamteindruck:
Nicht nur für Studenten der Wahlfachgruppe ist Kriminologie ein interessantes und lehrreiches Buch. Meier gelingt es, den Studenten "über den Tellerrand blicken" zu lassen und ihnen die etwas kompliziertere Materie dieser Wissenschaft näherzubringen. Zumindest beim zweiten Lesen erscheint das Wort "Theorie" in diesem Buch gar nicht mehr so trocken und zeigt ein Puzzlestück nach dem anderen in der Suche nach der Ursache von Kriminalität auf. Ein sehr empfehlenswertes Buch!





Copyright © 2000-2008 Jurawelt