Jurawelt

Artikel 6948
Stefanie Samland

Pfeffer in Schneewittchens Bett -
Mit Bildern zu besserer Merkfähigkeit


Eine Rezension zu:

Gregor Staub

Mega Memory

Optimales Gedächtnistraining für Privatleben, Schule und Beruf

mit Übungs-CD

mvg-verlag, Landsberg am Lech 2001, 200 Seiten, 19,90 €
ISBN 3-478-72900-9

http://www.mvg-verlag.de
http://www.gregorstaub.com


Wer kennt das nicht: Man kommt vom Einkaufen zurück und stellt fest, daß man schon wieder etwas vergessen hat. Die komplizierten Vokabeln wollen sich nicht einprägen. Die eigene Telefonnummer zu diktieren, fällt zuweilen schwer, man braucht sie ja selbst so selten. Und wie hieß noch gleich der Mann, der einem soeben erst vorgestellt wurde? - Eine Menge Situationen aus dem Alltag, die wohl jeder schon einmal erlebt hat. Aber auch für juristische Klausuren und Prüfungen wäre ein besseres Gedächtnis manchmal ganz hilfreich, z.B. wäre es praktisch, eine Technik zu beherrschen, mit denen sich Schlüsselwörter aus Definitionen oder Prüfungsreihenfolgen besser merken lassen.

"Mega Memory" heißt das Buch von Gregor Staub, das für alle diese Situationen Verbesserung verspricht, und das nicht etwa durch hartes Trainieren, sondern durch eine "überraschend einfache, spaßige und trotzdem höchst effektive Methode". Auf nur 200 Seiten führt der erfahrene Seminarleiter den Leser durch verschiedenste Szenarien und Übungen und überrascht ihn wirklich mit der Erfahrung, wie einfach es plötzlich wird, sich eine zehnstellige Zahl in Windeseile zu merken oder einen Einkaufszettel mit 20 Dingen (in der richtigen Reihenfolge!) zu lernen.

Doch zunächst soll der Leser nach der Einleitung und der Formulierung seiner persönlichen Ziele das Buch beiseite legen und die beiliegende CD hören. Auf dieser befindet sich eine Lektion aus den Seminaren von Gregor Staub, es geht um elementare Assoziationen. Man hört 20 Begriffe, die scheinbar zufällig aneinander gereiht sind. Anschließend sollen möglichst viele der Wörter wiedergegeben werden, und das in der gleichen Reihenfolge. Nachdem dies mehr oder minder gut klappt, gibt es die Auflösung dieser Aufgabe. Die "Baumliste" genannte Abfolge der 20 Wörter wurde bewußt so gewählt, um sie später für weitere Lernzwecke parat zu haben. Jedes Wort hat einen bestimmten Bezug zur dazugehörigen Zahl, so ist der fünfte Begriff "Hand" (fünf Finger), der siebte "Zwerg" (sieben Zwerge) oder der zwanzigste "Tagesschau" (weil diese immer um 20 Uhr ausgestrahlt wird). Mit diesen "elementaren Assoziationen" ist die "Baumliste" leicht zu erlernen und wiederzugeben. Insgesamt dauert die CD knapp über 40 Minuten und enthält einige Wiederholungen zur Festigung. Die Übung ist so gut aufbereitet, daß sie selbst mitten in der Nacht - man denkt, zu solch später Stunde ist man zu Gedächtnistraining nicht mehr in der Lage, aber man wird eines besseren belehrt - einfach zu absolvieren ist. Für Leser, die ohnehin schon eine gute Merkfähigkeit besitzen, ist sie zum Ende hin fast schon wieder langweilig, was aber verständlich ist, richtet sich das Buch doch an einen weiten Leserkreis.

Sitzt die "Baumliste", darf das Buch weitergelesen werden. Nach einer kurzen Erläuterung über den Transfer von Gelerntem ins Langzeitgedächtnis erwartet den Leser die erste Anwendungsaufgabe. Ein Einkaufszettel mit 20 Besorgungen soll auswendig gelernt werden. Dies erklärt der Autor mit Hilfe der "Baumliste". So wird der Pfeffer an der siebten Stelle der Einkaufsliste zu einem Bild, in dem die sieben Zwerge Schneewittchen Pfeffer ins Bett schütten ("Zwerg" steht an siebter Stelle der "Baumliste"). Genauso geht Gregor Staub mit den anderen Punkten der Einkaufsliste vor. Je absurder die erdachten Bilder werden, um so besser prägen sie sich ein. Ständige Wiederholungsaufforderungen an den Leser führen dazu, daß sich rasch ein enormer Lerneffekt einstellt. Man stellt schnell fest: Es funktioniert tatsächlich! Und da es mit den Einkäufen gerade so gut geklappt hat, bringt der Seminarleiter seinen Lesern auch gleich noch die richtige Reihenfolge der zwölf Sternzeichen mit Hilfe der "Baumliste" bei.

Die "Baumliste" ist dazu da, sich bis zu 20 Wörter in einer bestimmten Reihenfolge zu merken. Jedoch wird man bald merken, daß dies nicht ausreicht. Deshalb führt der Autor weitere Listen ein, am Ende können so 100 Plätze belegt werden. Alle 100 Begriffe sind leicht zu merken und bilden die Grundlage für Assoziationsbilder. Jedoch läßt sich nicht alles mit Bildern veranschaulichen. Gregor Staub bringt an dieser Stelle das Beispiel, daß sich jemand mit dem Namen Machowinzky-Spiegelbert vorstellt. Hier wird es schwer, ein Bild zu entwickeln. Deshalb gibt der Autor dem Leser eine neue Technik an die Hand: das Arbeiten mit Silben und Klangbildern. So wird dann aus "Burkina Faso" z.B. "Es gibt eine Burg in China, da fasten die Leute am Sonntag." Diese Technik eignet sich auch besonders gut für Vokabeln und abstrakte Begriffe, was selbstredend auch gleich ausprobiert wird, u.a. für das Auswendiglernen eines "Spickzettels" mit zehn abstrakten Begriffen für eine Rede.

Aus den Bild- und Klangtechniken zusammen entwickelt der Autor schließlich die Technik des Geschichtenerzählens und bringt dem Leser - der sich gerade auf eine Geschichte konzentriert - so ganz nebenbei die Zinseszinsformel oder einige Opernkomponisten bei. Gleiches funktioniert mit Namen und Geburtstagen, und es ist tatsächlich spaßig und trotzdem effektiv, wie versprochen!

Im zweiten Teil des Buches geht es hauptsächlich um die Anwendung und Verknüpfung der gelernten Techniken. Der Leser merkt sich mit Hilfe seiner 100er-Liste Stichwörter für Witze, mehrstellige Zahlen oder Termine, mit Hilfe der Silben- und Klangbilder Gesichter und die dazugehörigen Namen. Und für wen dies immer noch nicht genug ist, der kann schließlich noch die Regionen Italiens oder die Staaten der USA spielerisch auswendig lernen.

Gesamteindruck:
"Mega Memory" - spielerisch zum durchtrainierten Gedächtnis, geht das? Mit dem vorliegenden Buch wird die Probe auf's Exempel mit Bravour bestanden. Bei der Lektüre von Gregor Staubs Gedächtnistraining-Buch wird der Leser überrascht, zum Lächeln angeregt und anhand vieler Beispielsfälle, wie sie tagtäglich vorkommen können, zum Erfolg geführt. Dieses Buch ist nicht nur etwas zum Angeben auf Partys, weil man die meisten Witze behalten oder sich in wenigen Minuten lange Zahlenreihen merken kann, sondern eignet sich ebenso auch zur langfristigen Verbesserung der Gedächtnisleistung in Alltag und Studium. Sollte der Leser an irgendeiner Stelle mal hängenbleiben und eine Übung nicht verstehen, wird er ermuntert, den Autor direkt zu kontaktieren, ein weiterer Pluspunkt des empfehlenswerten Buches.
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