Ralf Hansen
Überblick zum Bürgerlichen Recht
Kurzrezension zu:
Barbara Grunewald
Bürgerliches Recht
5. Auflage des von Joachim Gernhuber begründeten Werkes
JuS-Schriftenreihe, Bd. 87
C.H.Beck, München 2002, 261 S., € 19,50
ISBN 3-406-49299-1
http://www.beck.de
Gegenüber dem nach wie vor durch seine systematisch-dogmatische Durchdringung beeindruckenden Werk von Joachim Gernhuber (letztmals 1991 erschienen) präsentierte sich schon
die Vorauflage in einem völlig veränderten Gewand angesichts gewandelter Examensanforderungen. Dieser veränderte Ausgangspunkt macht die Bearbeitungen von Vater und Tochter
unvergleichbar. Die nunmehr allein verantwortlich zeichnende Verfasserin, Ordinaria an der Universität zu Köln, weist deutlich darauf hin, daß detaillierte Kenntnisse im
Examen heute weder verlangt noch honoriert werden. Vielmehr kommt es statt der Wiedergabe auswendig gelernten Wissens darauf an, am jeweiligen Einzelfalles die einschlägigen
Normen zu erkennen und eine vertretbare Lösung zu entwickeln. Auf die Kenntnis der letzten Einzelheit des oftmals sehr verästetelten Meinungsstandes kommt es dabei nach
ihrer (zutreffenden) Auffassung nicht an. Entsprechend sind diese in Hausarbeiten sehr beliebten Darstellungen bis hin in die letzte Einzelheit des Diskussionsstandes hier
nicht zu finden. Statt dessen werden recht komplexe, aber exemplarische Fälle gelöst und die Grundstrukturen des Bürgerlichen Rechts prüfungsnah aufbereitet. Das Buch eignet
sich sehr zum letzten Repetieren vor der schriftlichen Prüfung besonders des ersten Staatsexamens. Vorkenntisse werden dementsprechend vorausgesetzt.
Die Einteilungen sind teilweise aus der Bearbeitung von Gernhuber übernommen, ansonsten handelt es sich um ein völlig eigenständiges Werk, das bei der Rechtsgeschäftslehre
ansetzt. Die Ausführungen sind dabei, etwa zur Nichtigkeit von Rechtsgeschäften, sehr knapp und beschränken sich auf das absolut wesentliche, so daß es sich bei
Klärungsbedarf empfiehlt, den sparsam gesetzten Nachweisen in den Fußnoten nachzugehen. Diskutiert werden im wesentlichen examensrelevante Fälle der höchstrichterlichen
Rechtsprechung, die weitgehend gutachterlich gelöst werden. Besondes überzeugend ist die knappe, aber lehrreiche Darstellung des neuen Leistungsstörungsrechts, die direkt
bei § 280 I BGB ansetzt und sich lange Einleitungen über die Reform spart, statt dessen aber interessante Ausführungen zur neuen Struktur der Unmöglichkeitsregeln enthält.
Ebenfalls im Zentrum steht der Schutz der absoluten Rechte im Sachenrecht, nebst den Ausgleichsmodi. Im letztgenannten Kapitel werden unbedingt examensrelevante Strukturen
der GoA, des EBV und der Kondiktionsansprüche erörtert. Überaus knapp werden die Sicherungsrechte behandelt. Noch knapper sind die Darlegungen zum Erwerb von Todes wegen.
Die Darlegungen setzen den Leser nichtsdestotrotz in die Lage auf ganz knappen Raum die elementarsten Grundlagen exemplarisch zu wiederholen, wissend, daß im Examen stets
auch Probleme zur Sprache kommen, von denen man zuvor noch nie gehört hat. Nur die Erfahrung im Umgang mit einem bekannten Normenbestand setzt einen die Lage, diese völlig
unbekannten Fallsituationen rechtlich zu meistern. Hierzu versucht das Buch auf knappstem Raum entscheidende Hilfestellungen zu geben. Es gelingt der Verfasserin in der Tat,
im Rahmen der recht geringen Seitenzahl, diese elementaren Strukturen zu rekapitulieren.
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