Jurawelt

Artikel 4048
Thomas Franosch

Auf zum Repetitor?

Eine Rezension zu:

Achim Berge/ Christian Rath/ Frederike Wapler

Examen ohne Repetitor

Leitfaden für eine selbstbestimmte und erfolgreiche Examensvorbereitung

Nomos Verlag, 2. Auflage, 243 S., 13,- Euro
ISBN 3-7890-6435-1

http://www.nomos.de


Das Examen ohne Repetitor wird im Vorwort mit den Schlagworten “günstiger, erfolgreicher und man fühlt sich besser” zusammen gefasst. Doch ganz so unkritisch wie es das Vorwort erscheinen lässt, ist das Buch sicherlich nicht gegenüber dem Examen ohne Repetitorium. Entgegen dem plakativen Titel beginnt das Buch zunächst mit der Entscheidung.

In Teil 1, “die Entscheidung”, werden die unterschiedlichen Möglichkeiten der Examensvorbereitung vorgestellt. Jeder Jurastudent kennt die Alternativen zur Examensvorbereitung. So werden kommerzielle Repetitoren, universitäre Angebote, private Arbeitsgemeinschaften sowie der Alleingang in gebotener Kürze dargestellt. Doch wird auch nicht nur zwischen dem Lernen mit und ohne Repetitor hingewiesen. So wird in der Rubrik Mischformen auch auf die verschiedenen Kombinationen und Möglichkeiten aufmerksam gemacht. Das für und wieder eines Repetitoriums wird anschaulich dargestellt, wobei es sich eigentlich um ein Widerlegen der für ein Repetitorium sprechenden Argumente handelt. Auch findet die mündliche Prüfung bei dieser Abwägung Beachtung. Diese wird häufig bei der Vorbereitung außer Acht gelassen, hat jedoch eine erhebliche Auswirkung auf die Endnote. Dieses ist jedoch kaum verwunderlich, soll doch dieses Buch gerade die Alternativen zur üblichen – vom Repetitor begleiteten – Examensvorbereitung aufzeigen. So wird dem Leser das Fazit noch einmal in Kurzfassung nahe gebracht.

Der 2. Teil beschäftigt sich mit der Arbeitsgruppe, welche in vielen Fällen sicherlich der Mittelpunkt der Examensvorbereitung ohne Repetitor ist. In den unteren Semestern wird nur selten in einer Arbeitsgruppe für die anstehenden Scheine gelernt. So ist die Gründung einer solchen vor dem Examen gar nicht so einfach. Deshalb beginnt der Teil 2 auch mit der Suche nach den passenden Mitstreitern. Wie finde ich diese, sollten es meine besten Freunde sein oder aus wie vielen Teilnehmern sollte die Gruppe bestehen? Wie fangen wir mit der gemeinsamen AG an und wie arbeiten wir eigentlich zusammen? Auch werden potenzielle Konflikte in der Arbeitsgruppe (Otto kommt immer zu spät) sowie deren mögliche Lösungen besprochen.

Teil 3 behandelt die Examensvorbereitung am eigenen Schreibtisch. Wobei damit nicht nur der Alleingang zum Examen, sondern auch Arbeitsplatz, -zeit, -material und -methoden gemeint sind. So wird jeder schon einmal gehört haben, wie wenig bei einer Vorlesung wirklich hängen bleibt. Doch weitergehende Informationen werden den meisten unbekannt sein. Die eigene Stoffaufnahme kann jedoch den durch die Lektüre gewonnenen Erkenntnissen sowie den eigenen Bedürfnissen angepasst werden. Auch finden sich bei den vorgestellten Arbeitsmaterialien nicht nur die üblichen Lehrbücher. Es darf kein konkreter Tipp, sondern die Vorstellung der einzelnen Informationsmedien erwartet werden. Dabei wird die konkrete Wahl sehr vom Lesetyp und den jeweiligen universitären Gewohnheiten abhängen, so dass eine solche Auswahl an Lehrbüchern auch nicht notwendig ist. Lediglich die Internetrubrik mag aus der Sicht des jurawelt-Angebots ein wenig enttäuschen. Es werden weder dessen Examensrubrik (www.jurawelt.com/studenten/examen) noch die studentischen Mailinglisten (www.jurawelt.com/studenten/mailingliste) vorgestellt. Gerade in dieser lässt sich – wie die Erfahrung zeigt – heiß über das Examen mit oder ohne Repetitor trefflich streiten. Hinsichtlich seiner Warnung muss dem Autor zugestimmt werden. Es lässt sich im Internet wohl jede Menge Zeit vertrödeln ohne es wirklich zu merken, geschweige denn produktiv zu sein. Vielleicht wäre jedoch die Vorstellung von einigen weiteren Neuerungen wünschenswert. Die ersten Online-Repetitoren sind inzwischen am Markt und einige Software (z.B. elektronische Karteikarten) versprechen ein völlig neues Lernen. Hier wäre eine kritische Betrachtung für eine Neuauflage zu wünschen.

Den 4. Teil bildet eine große Anzahl an Interviews. Dabei handelt sich es um Studenten, die alle ohne Repetitor ins Examen gegangen sind und von ihren Erfahrungen und Lernmethoden berichten. So ist es ermunternd zu lesen, dass erfolgreiche Examenskandidaten ihre Karteikarten nur auf Zettel in Schuhkartons gesammelt haben oder so manche Examensvorbereitung trotz Umstrukturierung der Arbeitsgemeinschaft erfolgreich war. Dabei ist sehr positiv, dass die Interviewpartner das gesamte Notenspektrum (durchgefallen – 13,3 Punkte) aufzeigen. Gerade die Individualität der einzelnen Examensvorbereitungen zeigt, dass es nicht den goldenen Weg gibt. So werden viele verschiedene Wege dargestellt und können als Anregung dienen.

Die AG-Pläne bilden den 5. Teil des Buches und zeigen verschiedene Möglichkeiten der Stoffgliederung auf. Dabei werden verschiedene Aufteilungen mit unterschiedlichen Schwerpunkten zur Auswahl angeboten. Die Pläne sind von Professoren kontrolliert und überarbeitet worden.

Im letzte Teil werden Meinungen von Professoren und Professorinnen über das Werk sowie das Examen ohne oder mit Repetitor abgedruckt. Der Anhang bietet weitere Adressen und Literaturhinweise. Besonders erwähnt sei lediglich eine Übersicht über die Angebote der verschiedenen Universitäten im Rahmen des Examens ohne Repetitorium, diese dürften den Examenskandidaten jedoch bekannt sein.

Insgesamt macht das Buch auf den knapp 250 Seiten einen durchdachten Eindruck. Trotz des Titels ist das Werk nicht nur für den Weg ohne Repetitor geeignet, sondern kann sicherlich auch bei den Examensvorbereitung mit dem Repetitor weiterhelfen. So bleibt die Arbeit am Schreibtisch identisch und sollte ruhig einmal durchdacht werden. Auch ist das Buch als Leitfaden für die Organisation einer Arbeitsgemeinschaft gut zu gebrauchen. Die sachlichen Informationen werde nicht unbedingt neu sein, zeigen jedoch viele unbedachte Aspekte auf. Wie die Examensvorbereitung für den Einzelnen am besten erfolgen kann, kann das Buch nicht aufzeigen. Die Möglichkeiten und Mischformen werden jedoch anschaulich und umfassend dargestellt. Nach dem Probehören beim Repetitor und der Lektüre des Buches dürfte eine Entscheidung erheblich einfacher fallen. Mit 13 € ist das dünne Buch auf jeden Fall seinen Preis wert, auch wenn die Umschlaggestaltung wirklich nicht als aktuell bezeichnet werden kann.

Januar 2002
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