Verwaltungsgericht Berlin, Urteil vom 13. Dezember 2001 - VG 27 A 260.98
URTEIL
Im Namen des Volkes
In der Verwaltungsstreitsache Scientology Kirche Berlin e.V. (...)
g e g e n
das Land Berlin, vertreten durch die Senatsverwaltung für Inneres, Berlin Beklagten, Prozeßbevollmächtigte:
hat das Verwaltungsgericht Berlin, 27. Kammer, aufgrund der mündlichen Verhandlung vom 6. Dezember 2001 (...) für Recht erkannt:
Der Beklagte wird verurteilt, es zu unterlassen, Mitarbeiter oder Mitglieder des Klägers durch die Gewährung oder das Versprechen von Geldzahlungen oder sonstigen
vermögenswerten Vorteilen zu bestimmen, Daten und Informationen betreffend den Kläger und/oder seiner Mitglieder im Verfügungsbereich des Klägers auszuspähen und zu sammeln
und dem Beklagten zu übergeben oder in sonstiger Weise zugänglich zu machen.
Der Beklagte trägt die Kosten des Verfahrens.
Das Urteil ist vorläufig vollstreckbar, jedoch hinsichtlich der Kosten nur gegen Sicherheitsleistung in Höhe des beizutreibenden Betrages.
Tatbestand
Mit seiner am 15. Juli 1998 eingegangenen Klage will der Kläger erreichen, daß das beklagte Land es unterläßt, durch Mitglieder des Klägers als sog. Vertrauensleute des
Landesamtes für Verfassungsschutz gegen Entgelt zum Zwecke der nachrichtendienstlichen Überwachung Informationen über den Kläger und dessen Interna zu beschaffen. Der Kläger
ist ein eingetragener Verein; auf seine Satzung vom 2. Juni 1966 (Anl. B 12) wird verwiesen. Unstreitig wird der Kläger in Berlin vom Landesamt für Verfassungsschutz (LfV)
beobachtet, wobei auch der Einsatz von Vertrauensleuten in Frage kommt. Grundlage für die bundesweite – mit Ausnahme von Schleswig-Holstein – Beobachtung der
regionalen Kirchen und sonstigen Teilorganisationen der Scientology-Organisation (hinfort: SO) ist ein entsprechender Beschluß der Innenministerkonferenz vom 5./6. Juni
1997, die aufgrund eines ihr vorgelegten Berichtes der Bund-Länder-Arbeitsgruppe zur Frage der Beobachtung von SO, in der auch Zielsetzung und Vorgehensweise der SO
dargelegt wurden, das Vorhandensein tatsächlicher Anhaltspunkte für verfassungsfeindliche Bestrebungen der SO festgestellt und beschlossen hatte, die Organisation durch die
Behörden für Verfassungsschutz beobachten zu lassen. Die nachfolgenden Berichte der Arbeitsgruppe vom 12. Oktober 1998 (Anl. B 1) und vom 13./14. Oktober 1999, endgültige
Fassung vom 14. Juni 2000 (Auszug daraus: Anl. B 35) sind von der Innenministerkonferenz zur Kenntnis genommen worden und haben zu keiner Änderung des Beschlusses über die
Beobachtung von SO geführt. Zur Begründung seiner Klage trägt der Kläger zunächst folgenden - unstreitig gebliebenen - Vorfall vor: Ein namentlich benannter und als Zeuge
angebotener hauptamtlicher Mitarbeiter des Klägers - nachfolgend: S -sei in der Zeit vom 16. April bis 4. Juni 1998 etwa zwölf Mal von zwei männlichen Mitarbeitern des
Landesamtes für Verfassungsschutz des Landes Berlin kontaktiert worden, die ihre Dienstausweise vorgelegt und sich mit Namen vorgestellt hätten. Dabei sei erklärt worden,
man wolle S als “Insider” als regelmäßigen Informanten gewinnen; als Gegenleistung seien 500,- DM monatlich versprochen worden. Bei dem ersten Gespräch hätten
die Verfassungsschützer 300,- DM unter einer Zigarettenschachtel hinterlassen. Bei einem weiteren Gespräch am 15. Mai 1998 sei die Zahlung von 5000,- DM als Gegenleistung
für einige Informationen angeboten worden, vor allem darüber, ob der Polizeibeamte D Mitglied des Klägers sei sowie nähere Informationen über zwei führende Mitarbeiter des
Klägers. S habe sich zunächst mit diesem Ansinnen einverstanden erklärt, dieses jedoch am nächsten Tag telefonisch widerrufen. Am 26. Mai 1998 gegen 17.00 Uhr sei S von zwei
Verfassungschützern in der Nähe der S-Bahnstation Ostkreuz angesprochen worden. Als sich der S nicht habe aufhalten lassen, seien die Beamten hinterher gelaufen und hätten
ein Bündel Hundertmarkscheine gezeigt, die einer in seiner Hemdtasche bei sich getragen habe und die sofort ausgehändigt werden könnten. S habe unter Hinweis auf Zeitnot
abgelehnt, man habe ein weiteres Treffen gegen 21.00 Uhr an einer Straßenecke in der Nähe seiner Wohnung vereinbart. Zu diesem Treffen sei es dann gekommen, die Beamten
hätten nach der Mitgliedschaft des Polizeibeamten D in der Kirche gefragt und Informationen über das Presse- und Rechtsamt der Kirche und über die dort tätigen Personen und
deren Verantwortungsbereich gewollt. S sei das Bündel 100,- DM-Scheine, insgesamt 5000,- DM, in die Hand gedrückt worden. Weiterhin sei auf einen Fragenkatalog verwiesen
worden und dem S seien weitere 5000,- DM in Aussicht gestellt worden, wenn er diesen Fragenkatalog mit dem Beamten durchginge. In der Folge hätten noch zwei andere Gespräche
am 28. Mai und 4. Juni 1998 stattgefunden, bei denen die beiden Beamten Fragen nach Interna der Kirche, insbesondere nach einzelnen Mitarbeitern und deren Funktionen
gestellt hätten. Der Kläger hält das Anwerben von Mitarbeitern oder Mitgliedern seiner Vereinigung zur Informationsgewinnung für rechtswidrig, die Voraussetzungen für ein
Unterlassungsbegehren aufgrund der aus dem von ihm beschriebenen Anwerbeversuch folgenden Wiederholungsgefahr für gegeben. Das „Umdrehen“ seiner Mitarbeiter oder
Mitglieder zu Vertrauensleuten des Verfassungsschutzes stelle jedenfalls einen Verstoß gegen die Vereinigungsfreiheit dar, die auch den Mitgliederbestand der Vereinigung
schütze. Die Maßnahmen des Landesamtes für Verfassungsschutz seien weder von der Aufgabenbestimmung noch von den Befugnisnormen des Verfassungsschutzgesetzes des Landes
Berlin gedeckt. Der darin verwandte Begriff "Be-strebungen" umfasse nur politische Bestrebungen, Politik werde dabei definiert als "Streben nach Machtanteil oder als
Gestaltung des öffentlichen Lebens". Dieses liege nicht vor, denn er sei eine Religionsgemeinschaft, bei der es schon am wesentlichen Merkmal politisch motivierten, finalen
Verhaltens fehle. Religion und religiöse Lehren der Scientology enthielten keinerlei politische Programmatik. Dies zeige die Veröffentlichung (Anl. K 28) der Church of
Scientology International, "Scientology - Lehre und Ausübung einer modernen Religion" (1998); nicht nur aus dem dort wiedergegebenen Selbstverständnis, sondern aus den
angefügten Gutachten namhafter Religions- und Sozialwissenschaftler folge die ausschließlich religiöse Motivation und Zielrichtung der Scientology und des Klägers. Soweit
der SO in Deutschland die religiöse Motivation abgesprochen werde und ihr lediglich wirtschaftliche Interessen unterstellt würden, sei dies eine grob verzerrende
Darstellung. Scientology verstehe sich nach den Werken des Religionsgründers Hubbard als direkte Fortsetzung des Werkes von Buddha Shakyamuni; Glaubensinhalt sei die
göttliche Natur der höchsten, transzendenten Wirklichkeiten, Glaubensausübung sei ähnlich dem Buddhismus das Streben nach einem höchsten Bewußtsein durch Auflösung eigener
Verstrickungen, wobei Hilfe durch Seelsorge (“Auditing”) gegeben würde. Darüber hinaus setze ein Tätigwerden des Verfassungsschutzes voraus, daß tatsächliche
Anhaltspunkte für Bestrebungen gegen die freiheitliche Demokratische Grundordnung, den Bestand oder die Sicherheit des Bundes oder eines Landes bestünden. Solche
tatsächlichen Anhaltspunkte gebe es nicht. Dies ergebe sich schon aus der Stellungnahme des Innenministeriums von Schleswig-Holstein (Kabinettsvorlage 033/1999 vom 20.
Januar 1999, Anl. K 26) zum Beschluß der Innenministerkonferenz hinsichtlich der weiteren Überwachung von SO, der durch Kabinettsbeschluß in der Kabinettssitzung vom
02.02.1999 zur Frage der Überwachung der Scientology Kirche folgerichtig zugestimmt worden (Anl. K 27) sei. Darin heiße es unter anderem wörtlich: "... Eine politische
Betätigung der Scientology-Organisation ist nach wie vor nicht festzustellen, aber auch der mittelbare politische Einfluß wird offensichtlich nicht gezielt gesucht; der
Bericht stellt hierzu fest: - Eine Unterwanderung politischer Parteien ist derzeit nicht zu erkennen. - Bundesweit sind rund 60 aktive und ehemalige Angehörige des
öffentlichen Dienstes als Mitglieder der ScientologyOrganisation festgestellt worden, ohne daß besondere, mit der dienstlichen Aufgabe verbundene Aktivitäten für die
Scientology -Organisation festgestellt werden konnten . - Von einer systematischen Unterwanderung der deutschen Wirtschaft kann nicht die Rede sein Damit relativiert der
Bericht die Bedrohungsszenarien, die insbesondere in den Medien mit Bezug auf die ScientologyOrganisation entworfen worden sind...“. Alle von der Landesregierung
Schleswig-Holstein - ohne Bezug auf die "Aggressionsklausel" - aufgeworfenen Kritikpunkte an der Überwachung der Scientology Kirche durch den Verfassungsschutz gälten
gleichsam für das beklagte Land Berlin wie auch für die übrigen Bundesländer. Die vorliegenden Verfassungsschutzberichte und der Vortrag des Beklagten im vorliegenden
Verfahren zögen voreingenommen, ohne die SO entlastende Umstände zur Kenntnis nehmen zu wollen, Schlüsse aus nur vereinzelten Primärquellen der SO, die verfälscht
wiedergegeben würden, weil der konkrete Kontext außer Acht gelassen würde, es am inhaltlichen Verständnis oder auch nur an einer ordnungsgemäßen Übersetzung fehle –
zum konkreten Vortrag des Klägers hinsichtlich einzelner Quellen wird auf die Darstellung der Replik nach dem Klägervortrag verwiesen -. Die herangezogenen Primärquellen
stellten nur einen unbedeutenden Teil des Schriftguts der SO und ihres Gründers Hubbard dar, der weit überwiegende Teil dieses Schriftgutes bleibe absichtlich unbeachtet,
weil es die gezogenen Schlüsse widerlegen würde. Von einer “Gesamtschau” könne schon deshalb keine Rede sein. Vor allem aber bezögen sich der Beklagte und die
Landesverfassungsschutzämter ihrerseits auf einseitig gegen die SO gerichtete Sekundärquellen, wie etwa auf das voreingenommene Gutachten des Politikwissenschaftlers Jaschke
von 1966, dessen wissenschaftliche Wertlosigkeit sich aus dem Gegengutachten des Dipl. Psych. Sieber vom Dezember 1977 ergebe. Dasselbe gelte für eine gutachterliche
Stellungnahme Prof. Dr. Ralf Abels, die eine einseitig gegen SO gerichtete Materialsammlung enthalte. Tatsachen, die etwa den in diesen Gutachten enthaltenen Vorwurf der
Unterwanderung des Staates belegen würden, gebe es nicht. So habe etwa das Landesamt für Verfasssungsschutz des Landes Berlin in einer Pressemiteilung vom 7. Juli 1998 (GA
I, S. 44) erklärt: ”Nach den bisherigen Feststellungen des Landesamtes für Verfassungsschutz ist es der Scientology-Organisation (SO) in Berlin nicht gelungen, eine
größere Zahl von Mitgliedern, die im öffentlichen Dienst beschäftigt sind, zu werben. Bisher wurden lediglich einige wenige Angehörige oder ehemalige Angehörige des
öffentlichen Dienstes als SO-Mitglieder bzw. –Anhänger erkannt. Richter oder Lehrer befinden sich nicht darunter”. Wenn danach schon eine nachrichtendienstliche
Beobachtung des Klägers mangels vorliegender Tatsachen, die eine verfassungsfeindliche Betätigung nahelegten, ausscheiden müsse, gelte dies erst recht für den Einsatz
nachrichtendienstlicher Mittel, der qualifizierten Anforderungen unterliege. Die nachrichtendienstliche Beobachtung sei zudem unverhältnismäßig, weil nach vier Jahren
Beobachtung keine aktuellen Verdachtsmomente vom Beklagten vorgetragen werden könnten. Der Beklagte wiederhole lediglich die seit Jahren immer wieder vorgetragenen Vorwürfe,
ohne belegen zu können, daß die von ihm zitierten Schriften und Textstellen wesentlicher und untrennbarer Teil des kirchlichen Gedankenguts sei und daß diesen noch im
jetzigen Zeitpunkt Bedeutung zukomme. Der Einsatz des Verfassungsschutzes und die Verwendung nachrichtendienstlicher Mittel dienten, da die SO sich nicht
verfassungsfeindlich betätige und demzufolge ein solcher Nachweis auch bei Einsatz des Verfassungsschutzes nicht gelingen könne, letztlich nur dem politischen Interesse an
der weiteren Durchführung einer “Hexenjagd” gegen die SO, die selbst im Ausland Aufsehen erregt und zu einem Mitgliederrückgang in den Scientology-Kirchen
geführt habe. Überdies wäre die Anwerbung von Mitarbeitern/Mitgliedern des Klägers selbst dann rechtswidrig, wenn die Voraussetzungen für eine verfassungsschutzamtliche
Beobachtung unter Einsatz nachrichtendienstlicher Mittel rechtlich vorläge. Denn eine solche Anwerbung sei jedenfalls nicht erforderlich, weil das Landesamt für
Verfassungsschutz in der Lage sei, solche Maßnahmen mit eigenen Mitteln – ohne den Einsatz von Mitarbeitern/Mitgliedern des Klägers – durchzuführen.
Der Kläger beantragt, den Beklagten zu verurteilen, es zu unterlassen, Mitarbeiter oder Mitglieder des Klägers durch die Gewährung oder das Versprechenvon Geldzahlungen oder
sonstigen vermögenswerten Vorteilen zu bestimmen, Daten und Informationen betreffend den Kläger und/oderseiner Mitglieder im Verfügungsbereich des Klägers auszuspähen und zu
sammeln und dem Beklagten zu übergeben oder in sonstiger Weise zugänglich zu machen.
Der Beklagte beantragt, die Klage abzuweisen, vorsorglich, ihm für den Fall des Unterliegens Vollstreckungsschutz zu gewähren.
Er hält den auf die Unterlassung der Anwerbung von Vertrauensleuten beschränkten Klageantrag für unzulässig. Es gehe dem Kläger darum, gerichtlich klären zu lassen, ob die
Beobachtung durch den Landesverfassungsschutz und der Einsatz nachrichtendienstlicher Mittel als solche rechtmäßig seien. Soweit sich die Unterlassungsklage nicht auf diese
Tätigkeiten insgesamt beziehe, könne sie sich nur auf andauernde oder unmittelbar bevorstehende Einzelmaßnahmen beziehen. Der Kläger habe nicht dargetan, ob solche
hoheitlichen Maßnahmen andauerten oder unmittelbar bevorstünden. Dem Kläger fehle auch das Rechtsschutzbedürfnis für eine solche einschränkende Klage, weil künftige
Rechtsstreitigkeiten über die Zulässigkeit des Einsatzes nachrichtendienstlicher Mittel nicht ausgeschlossen würden. Im übrigen wähle der Kläger den eingeschränkten
Unterlassungsanspruch auch nur deshalb, um konkrete zu unterlassende Handlungen zu unterstellen und damit Aufschluß über das “Ob” und das “Wie” der
Verfassungsschutzmaßnahmen zu gewinnen. Hierauf werde sich der Beklagte nicht einlassen und im Prozeß keine Auskunft darüber geben und offenlegen, ob und welche Maßnahmen
gegen den Kläger derzeit laufen; auch werde er über den vorgelegten Verwaltungsvorgang des Verfassungsschutzes hinaus keine Verwaltungsvorgänge hinsichtlich des Einsatzes
einzelner nachrichtendienstlicher Mittel gegen den Kläger vorlegen. Solche Auskünfte würden nicht nur dem Wohle des Landes Nachteile bereiten, sondern sie seien auch im
Licht der Entscheidung des BVerfG zu § 99 VwGO nicht geboten, weil im vorliegenden Verfahren eine umfassende Vorlagepflicht praktisch die gerichtliche Entscheidung
überflüssig machen würde. Es genüge dem Rechtsschutzbegehren des Klägers völlig, wenn die Unterlassenspflicht des Einsatzes nachrichtendienstlicher Mittel als solche
festgestellt werde; für die gerichtliche Entscheidung sei keine Kenntnis erforderlich, ob und welche konkreten Maßnahmen der Beklagte ergriffen habe oder künftig
beabsichtige. Die Klage sei jedenfalls unbegründet. Dem Kläger, der sich zwar selbst als Kirche bezeichne, komme nicht das Grundrecht der Religionsfreiheit zu, weil er nach
einhelliger Rechtsprechung nicht als Religionsgemeinschaft anzusehen sei. Im übrigen sei es unerheblich, ob er rechtlich als Religionsgemeinschaft oder als sonstige
Gemeinschaft einzuordnen sei, denn die Verfassungsschutzgesetze konkretisierten immanente Schranken sowohl der Religions- wie der Vereinigungsfreiheit. Maßgebend sei
insofern allein, daß im Wirken nach außen selbst Religionsgemeinschaften wie jede andere Vereinigung an die freiheitlich-demokratische Grundordnung gebunden seien. Bei den
hier maßgeblichen tatsächlichen Anhaltspunkten für verfassungsfeindliche Bestrebungen handele es sich nicht um rein interne, die innere Ordnung der Vereinigung betreffende
Aspekte, sondern um nach außen wirkende, die freiheitlich-demokratische Grundordnung betreffende Haltungen und Aktivitäten. Rechtlich sei der Einsatz nachrichtendienstlicher
Mittel nicht an das Vorhandensein von Beweisen für verfassungsfeindliche Bestrebungen geknüpft. Die Beobachtung durch die Verfassungsschutzämter diene der Aufklärung, es
genüge, wenn Anhaltspunkte und damit ein Anfangsverdacht für derartige Bestrebungen bestünden. Der Kläger könne sich auch nicht darauf berufen, daß der Verfassungsschutz
sich auf altbekannte Anhaltspunkte und Literaturstellen berufe, aber keine neuen Belege erbringe. Soweit das Gesetz die Beendigung des Einsatzes nachrichtendienstlicher
Mittel nach Zweckerreichung oder Nichterreichbarkeit des Zwecks verlange, bedeute dies nur, daß die Ergebnisse der Arbeit der Verfassungsschutzbehörden aktuell sein müßten.
Abgesehen davon, daß es durchaus neue und konkrete Anhaltspunkte für verfassungsfeindliche Bestrebungen des Klägers gebe, könnten sich diese selbstverständlich auch aus
älteren Lehren oder Bekundungen ergeben, denen der Kläger nach wie vor folge. Es komme für die erforderliche Aktualität nur darauf an, ob derartige ältere –
verfassungsfeindliche - Programme weiterhin in die Wirklichkeit umgesetzt werden sollten. Der Einsatz nachrichtendienstlicher Mittel sei auch verhältnismäßig. Er sei
geeignet, beim Kläger verfassungsfeindliche Bestrebungen oder Tätigkeiten zu erforschen und hierfür die erforderlichen Quellen zu erschließen. Es sei von großer Bedeutung,
mit nachrichtendienstlichen Mitteln Aufschlüsse über das interne Bespitzelungssystem, die Einflußnahme auf Spitzenpositionen in Politik, Justiz, Wirtschaft und Medien, den
auf solche Zwecke gerichteten Einsatz von Computerprogrammen, finanzielle Verflechtungen und internationale Kontakte zu gewinnen, was erst nach einem längerem Zeitraum
möglich sei. Die Maßnahmen seien auch erforderlich, denn die notwendigen Erkenntnisse könnten nicht aus dem öffentlich zugänglichen Material gewonnen werden, weil dieses
wegen der Außendarstellung nur Anhaltspunkte liefern könne, die zur Ergebnisfindung wichtigen internen Vorgänge und Bestrebungen daraus aber nicht hinreichend erkennbar
seien. Der Einsatz nachrichtendienstlicher Mittel sei schon wegen der hierarchischen und nach außen abgeschotteten Binnenstruktur der Organisation des Klägers eine adäquate
Reaktion auf seine Tätigkeiten; die Information aus allgemein zugänglichen Quellen reiche nicht aus. Der Einsatz nachrichtendienstlicher Mittel stehe auch nicht außer
Verhältnis zur Bedeutung des aufzuklärenden Sachverhalts. Die möglichen Beeinträchtigungen der freiheitlich-demokratischen Grundordnung durch die weltumspannende und
expansive Organisation, der der Kläger angehöre, stellten eine nicht unerhebliche Gefährdung dar. Demgegenüber wiege die Beobachtung des Klägers durch die
Verfassungsschutzbehörden nicht sonderlich schwer, zumal es der Kläger selbst sei, der immer wieder die Beobachtung durch den Verfassungsschutz in die Öffentlichkeit trage.
Der Kläger werde im übrigen durch die Beobachtung nicht erheblich in seinen grundrechtlich geschützten Tätigkeiten behindert. Hier zeige sich der Unterschied zu politischen
Parteien, bei denen schon die Beobachtung durch den Verfassungsschutz bei potentiellen Wählern und Mitgliedern Befürchtungen auslöse, die ihre politischen Erfolgschancen
erheblich beeinträchtigen könnten. Auch von einer unzulässigen Dauerbeobachtung könne auf absehbare Zeit keine Rede sein. Erst nach einer angemessenen Beobachtung könne man
wissen, ob auch die Dauer im Hinblick auf die gewonnenen Ergebnisse und die dadurch bestätigten oder widerlegten Gefahren angemessen gewesen sei. Dabei sei auch zu
berücksichtigen, daß der Aufbau einer Informationsquelle bei einer Vereinigung wie der des Klägers schwierig und zeitaufwendig sei. Erforderlichkeit und angemessene Dauer
könnten nicht bedeuten, daß schon am Anfang nachrichtendienstlicher Tätigkeiten Ergebnisse vorgelegt werden müßten, die den Erfolg der Beobachtung bewiesen. Eine solche
Vorlage würde zudem den Zweck der Beobachtung gefährden, weil dann Quellen zu erörtern seien, die gerade den Erfolg sicherstellen sollten. Hinsichtlich der sich aus den
schriftsätzlich eingereichten Belegen, aus denen nach seiner Auffassung Anhaltspunkte für verfassungsfeindliche Bestrebungen herzuleiten seien, trägt der Beklagte einführend
vor: Der Kläger sei Teil einer Organisation, bei der tatsächliche Anhaltspunkte für den Verdacht verfassungsfeindlicher Bestrebungen bestünden. Bereits aus einem Organigramm
(Anl. B 11) unter dem Titel “The Command Chart of Scientology” – vom Beklagten übersetzt mit ”Die Kommandostruktur der
Scientology-Organisation“ – werde deutlich, daß die SO mit ihren Unterorganisationen von der Zentrale in Los Angeles aus länderübergreifend wie ein
Wirtschaftskonzern strukturiert und organisiert sei. Die Einbindung des Klägers in die streng hierarchische nationale und internationale Struktur, die durch totalen Gehorsam
“von oben nach unten” gekennzeichnet sei, werde u.a. durch § 8 der Satzung des Klägers verdeutlicht, wonach er “Bestandteil einer international
verbreiteten und hierarchisch aufgebauten Kirchengemeinschaft” sei, “die international von der Mutterkirche geleitet und vertreten wird”, wobei als
Mutterkirche “die hierarchische Gliederung ... die unter der Scientology International (USA ) ... derzeit aufgebaut und tätig ist” zu verstehen sei.
Dementsprechend könne bei der Beurteilung, ob tatsächliche Anhaltspunkte für verfassungsfeindliche Bestrebungen bestünden, nicht allein auf den Kläger abgestellt werden,
sondern es müßten insgesamt die Betätigungen der Gesamtorganisation SO und insbesondere auf die Publikationen des Gründers Hubbard und anderer offizieller Vertreter der SO
betrachtet werden. Anhaltspunkte für verfassungsfeindliche Bestrebungen sind nach Auffassung des Beklagten bei der gebotenen „Gesamtschau“ in folgenden Punkten
zu sehen: a) Begrenzung der Menschenrechte nur für “Ehrliche” und den internen Unterdrückungsapparat der SO: Aus zahlreichen repräsentativen Äußerungen der
SC-Organisation werde erkennbar, daß Scientology den vollen Umfang der Freiheiten und Menschenrechte nicht auf alle Menschen erstrecken, sondern auf bestimmte Individuen
("Nicht-Aberrierte", "Clears", "Operierende Thetane") beschränken will. Die Zuerkennung von Rechten nur an Auserwählte nach dem Duktus der SO bedeute die Außerkraftsetzung
tragender Prinzipien des Grundgesetzes für alle übrigen Mitglieder der Gesellschaft, die ihre Menschen- und Bürgerrechte nach scientologischem Verständnis verwirkt hätten.
Schon nach Hubbard solle die Dianetik eine alle Wissens- und Lebensbereiche umfassende therapeutische Technik sein. Diese solle auch in verfassungsrechtliche Grundpositionen
eingreifen. So formuliere Hubbard im Buch “Dianetik” (Anlage B 14) auf S. 487: " Vielleicht werden in ferner Zukunft nur dem Nichtaberrierten Bürgerrechte
verliehen. Vielleicht ist das Ziel irgendwann in der Zukunft erreicht, wenn nur der Nichtaberrierte die Staatsbürgerschaft erlangen und davon profitieren kann. Dies sind
erstrebenswerte Ziele, deren Erreichung die Überlebensfähigkeit und das Glück der Menschheit erheblich zu steigern vermöchten. ". Eine Ausgabe der Scientology- Zeitschrift
"Freiheit" aus dem Jahr 1997 (Anl. B 15) enthalte auf der letzten Seite (S. 57) eine Publikation von Hubbard mit der Überschrift "Ehrliche Menschen haben auch Rechte", aus
der zu zitieren sei: "Wenn Sie die Technologie des Verstandes kennen, dann wissen Sie, daß es ein Fehler ist, "individuelle Rechte" und "Freiheit" als Argumente zu
verwenden, um diejenigen zu schützen, die nur zerstören würden. Individuelle Rechte wurden nicht entwickelt, um Kriminelle zu schützen, sondern um ehrlichen Menschen
Freiheit zu bringen. Dieser Schutzbereich wurde dann von denjenigen ausgenützt, die sogenannte "Freiheit" und "persönliche Freiheit" brauchen, um ihre eigenen zweifelhaften
Aktivitäten zu verdecken. Freiheit ist für ehrliche Menschen. Kein Mensch der selbst nicht ehrlich ist, kann frei sein - er befindet sich in seiner eigenen Falle ... Wenn
jemand versucht, sich auf seine "individuellen Rechte" zu berufen, um sich vor einer Untersuchung seiner Taten zu schützen, dann verringert er in genau dem Ausmaß die
Zukunft der individuellen Freiheit- denn er selbst ist nicht frei. Jedoch beeinträchtigt er andere, die ehrlich sind, indem er ihr Recht auf Freiheit verwendet, um sich
selbst zu schützen ... Freiheit ist für ehrliche Menschen. Persönliche Freiheit gibt es nur für diejenigen, die die Fähigkeit haben, frei zu sein.” Die sich nicht
allein im internen Verhältnis gegenüber den Mitgliedern manifestierenden Vorstellungen über die Zuerkennung von Rechten nur an Auserwählte nach dem Duktus der SO bedeute die
Außerkraftsetzung tragender Prinzipien des Grundgesetzes für alle Mitglieder der Gesellschaft, die ihre Menschen- und Bürgerrechte nach scientologischem Verständnis verwirkt
hätten. So heiße es in einer Rede des führenden Repräsentanten der SO David Miscavige (Anl. B 38): “Wir werden allen Menschen in Deutschland diese Wahrheit und die
Freiheit bringen, in der ehrliche Wesen Rechte haben und in welcher der Mensch die Freiheit hat, zu größeren Höhen aufzusteigen”. Dieser mit der Verfassung nicht im
Einklang stehende Grundsatz werde beispielsweise auch im Buch "Scientology - Die Grundlagen des Denkens" (Anl. B 13, S. 153) sowie im "Handbuch der Dianetik-Verfahren" (Anl.
B 14, S. 487) vertreten. Dem entspreche eine Aussage in der Publikation "Impact", dem Magazin der "International Association of Scientologists" (IAS), für das Jahr 1998
(Anl. B 16) auf Seite 45: "Der Zweck der IAS ist, die Scientology-Religion und Scientologen in allen Teilen der Welt zu vereinigen, zu fördern, zu unterstützen und zu
schützen, damit die Ziele der Scientology, wie L. Ron Hubbard sie aufgestellt hat, erreicht werden: Eine Zivilisation ohne Geisteskrankheit, ohne Verbrecher und ohne Krieg,
in der die Fähigen erfolgreich sein und ehrliche Wesen Rechte haben können, . . . ". Wegen weiterer Einzelheiten über diese als "Freiwild"-Gesetz ("Fair Game") bezeichneten
Verfolgungspraktiken werde auf S. 19/20 der Schrift des hamburgischen Verfassungsschutzes “Der Geheimdienst der Scientology-Organisation” (Anl. B 6) sowie auf S.
22 bis 27 der Broschüre “Scientology-eine verfassungsfeindliche Bewegung” des bayerischen Verfassungsschutzes (Anl. B 7) verwiesen. b) Das Rechtssystem von SO
ziele auf eine Beeinträchtigung des Grundsatzes der Rechtmäßigkeit der Verwaltung und der Unabhängigkeit der Gerichte. Die Organisation habe 1961 das "Department of
Government Affairs” eingerichtet. In dem entsprechenden Richtlinienbrief (“HCO PL”) vom 15. August 1960 habe Hubbard ausgeführt: "Ziel des Departments ist
es, Regierungen und feindlich gesinnte Philosophien oder Gesellschaften in einen Zustand völliger Übereinstimmung mit den Zielen von Scientology zu bringen. . . Dringen Sie
in solche Einrichtungen ein. Kontrollieren Sie solche Einrichtungen." (Hamburger Broschüre S. 14, Anl. B 6). Die Methode zur Umsetzung dieses Ziels werde in der den
Verfassungschutzbehörden 1997 bekanntgewordenen "Hubbard-Anweisungen vom 13. März 1961" beschrieben ( Anl. B 17): "Verschlechtern der öffentlichen Meinung und der Haltung
gegenüber Gesellschaft und Personen, die Zwecke entgegen den Zielen der Scientology haben, ständigen Druck auf Regierungen ausüben, um Gesetzgebung pro Scientology zu
schaffen und um Anti-Scientology- Gesetzgebung von Gruppen zu verhindern, die der Scientology entgegenstehen ". Die Anweisung enthalte auch unter der Rubrik "Operation" eine
konkrete Handlungsanweisung, wie die zuvor unter "Aktionen" aufgeführten Ziele durchgesetzt werden müßten: "Die Aktion, eine Pro-Scientology-Regierung zustande zu bringen,
besteht darin, daß man einen Freund bei der höchsten erreichbaren Regierungsperson schafft, die man erreichen kann und daß man sogar einen Scientologen in häuslichen oder
untergeordneten Posten in dessen Nähe einsetzt und dafür sorgt, daß Scientology seine persönlichen Schwierigkeiten und seinen Fall löst." Ziel sei auch die Übertragung der
Rechtsvorstellungen der Organisation auf die Gesellschaft. So heiße es im Richtlinienbrief vom 27. März 1965, korrigiert und wieder herausgegeben am 15. Oktober 1985: "Wenn
wir über einen erstklassigen Gesetzeskodex und eine Rechtssystem verfügen, die den Menschen echte Gerechtigkeit bringt, werden wir die Gesellschaft schnell überschwemmen ...
Wo wir versagen, unsere eigene Administration, Technologie und unser eigenes Rechtssystem auf die Gesellschaft um uns herum anzuwenden ... werden wir versagen....Reagieren
Sie nicht auf Scientology-Recht als wäre es Wog-Gesetz. Wog-Gerichte sind wie ein Würfelspiel”. An anderer Stelle (vgl. Stichwort "Justice" in L.R. Hubbard in "Modern
Management Technology Defined') sei ausgeführt: Gerechtigkeit ist in diesem Zusammenhang dabei als das zu verstehen, was der Organisation nützt." Diese Vorstellungen gepaart
mit den o.a. Zielen der Rechtlosteilung von "Aberrierten" belegten, daß in einem scientologischen Rechtssystem fundamentale rechtsstaatliche Prinzipien wie Unabhängigkeit
der Verwaltung, Rechtsweggarantie, Unabhängigkeit der Gerichte und Gleichheit vor dem Gesetz nicht mehr gelten sollten. Die Organisation des Klägers lasse auch gegenwärtig
keinen Zweifel an ihrer verfassungsfeindlichen Einstellung: Am 26. und 27. Februar 1999 habe die IAS einen "Münchner-Freiheits-Kongreß" unter der Losung "Der Wendepunkt für
das nächste Jahrtausend" veranstaltet, in der der niederländische SO-Funktionär und Leiter dieser Veranstaltung, Andrik Schapers, erklärt habe, daß seine Organisation das
demokratische System in Deutschland ablehne und auch die derzeitige Politik in Deutschland nicht akzeptieren könne. c) Scientology beabsichtige, den gesamten Planeten zu
"clearen", mithin strebe sie eine Weltherrschaft an. Diese Vorstellung, die bei etwaiger Zuerkennung transzendentaler Bezüge letztlich auf die Errichtung einer Theokratie
hinauslaufe, jedenfalls diktatorische Züge aufweise, stelle ein allgemeines Ziel der Gesamtorganisation dar, das beispielsweise wie folgt belegt werden könne: Die
Zeitschrift "Impact" der IAS enthalte in der Ausgabe 7411997 (Anl. B 18) einen Aufsatz Hubbards aus dem Jahre 1966 unter der Überschrift "Die Zeiten müssen sich ändern".
Darin heiße es: (S. 4) “ Wir haben einen Weg, um dies zustande zu bringen. Wir sind die einzige Gruppe auf der Erde, die tatsächlich über eine funktionsfähige Lösung
verfügt. Es ist an der Zeit, daß wir uns dieser Tatsache bewußt werden und diese Lösung gebrauchen, jeder einzelne von uns. ... Wenn jeder von uns immer höhere Effektivität
erlangt, können wir schließlich gemeinsam genügend Druck ausüben, um die Dinge in Ordnung zu bringen”. (S. 5) “Wir besitzen die technischen Materialien. Wir
schaffen unseren Weg schon heute - und wir schaffen den ganzen Weg. Jetzt dürfen wir nicht innehalten. Es gibt keine einzige Sache, die wir noch zusätzlich herausfinden
müßten, um dies alles zu schaffen”. Das Konzept der auf Staaten bezogenen Clear-Kampagnen, die letztlich im “clear planet” münden sollen, stellten
keineswegs nur eine Art eschatologischer Endzeithoffnungen dar, sondern ein konkretes, in einzelnen Staaten zu verwirklichendes und zugleich globales Revolutionsprojekt dar.
Der derzeitige Zustand der Nationen werde in einer Verlautbarung der Scientology-Kirche Frankfurt e.V. vom 10. Juli 1999 (Anl. B 34) zur Anarchie erklärt. Die “Clear
Deutschland-Kampagne” werde in einer Weise verstanden, daß “cleare” Mitglieder der Organisation systematisch in gesellschaftliche Schlüsselpositionen in
Justiz, Verwaltung, Wirtschaft und Kultur eines Landes eindringen sollten. Derartige Bestrebungen seien im Abschlußbericht der Arbeitsgruppe der Verfassungsschutzbehörden
vom 6. Mai 1997 (Anl. B 5, S. 58-68, 74) näher dargestellt. Weitere offizielle Äußerungen belegten gleichfalls, daß es sich beim Lehrgebäude Hubbards und seiner Schüler
nicht um eine abstrakte Weltutopie handelt, sondern daß man sich im nationalen und internationalen Bereich auf dem Weg zum Erreichen der Obergewalt in der Gesellschaft
wähne. Dabei soll die Macht anders als durch die herkömmliche "Eroberung durch die Regierungen" erstritten werden. Die Erlösung solle nicht im Jenseits, sondern im Rahmen
einer diesseitigen Konzeption mit Verwirklichungsanspruch und –strategie erfolgen: " Wir haben unsere Technologie-Ziele erreicht. Jetzt müssen wir nur noch unsere ...
gesellschaftlichen Ziele erreichen" (HCO-Informationsbrief vom 21.08.1963, Rons Journal Nr. 6, zitiert in Anl. B 35, S. 2 unten ). Im "Organisationsführungskurs
grundlegender Mitarbeiter - Hut Band 0" (Anl. B 36) aus dem Jahre 1999, werde klargestellt: "Demokratie ist nur in einer Nation von Clears möglich" (S. 124). "Wir arbeiten
daran, für Scientology und Scientologen in Orgs überall eine sichere Umgebung zu schaffen. Die gefährliche Umgebung der Wog-WeIt wird nur dann weiterbestehen und uns
Schwierigkeiten machen, wenn wir es versäumen, unsere sichere Umgebung über die ganze Welt auszudehnen" (S. 659). "Wir können also auf der Grundlage tatsächlicher Nachweise
den Schluß ziehen, daß die erste wahre Demokratie dann auftauchen wird, wenn wir jedes Individuum von dem bösartigeren reaktiven Impulsen befreit haben" (S. 652). Da solche
immer wieder variierten programmatischen Äußerungen und Weisungen auch derzeit als verbindlich bezeichnet würden, handele es sich nicht um überkommende "Heils-lehren",
sondern um konkrete Handlungsprogramme, deren konkrete Gefährlichkeit durch internationale Verflechtungen, Expansionswille und geradezu konspiratives Verhalten belegt werde.
Nach dem vorgenannten "Organisationsführungskurs" hätten "Clears" überall in der Verwaltung und dem Berufsleben ihren festen Standort einzunehmen und durchzusetzen.
Kennzeichnenderweise werde das Bild der "Zahnrad-Organisation" benutzt und der Gehorsam gegenüber übergeordneten Befehlen betont (S. 121). Wirkliche Unterdrücker sollten
"umgedreht" oder "entfernt" werden (S. 45). Kennzeichen sei das Bewußtsein der Überlegenheit nicht nur der richtigen internen "Technik", sondern der Berechtigung zur
Übertragung dieser Technik auf alle anderen Organisationen, insbesondere die jeweilige staatliche Verwaltung. Zentrale Aspekte der demokratischen Verantwortlichkeit der
Verwaltung und der Gesetzesbindung von Verwaltung und Gerichtsbarkeit werden durch diese Abhängigkeit und "Außengesteuertheit" eingeschleuster Mitglieder gefährdet. Sie
seien nicht mehr dem parlamentarischen Gesetzgeber gegenüber verantwortlich und durch diesen legitimiert, sondern würde ihre eigentliche Verantwortung in der Ausdehnung der
Ideologie und der Unterwanderung und "Umkehrung" rechtsstaatlicher Institutionen sehen. d) Absage an weitere rechtstaatliche Grundsätze: In der bereits 1959 erschienenen
Schrift "Handbuch des Rechts" (Anl. B 19) äußere sich Hubbard zur Funktion des scientologischen Rechts und des anzustrebenden Rechtssystems. Kennzeichnenderweise stehe im
Mittelpunkt die nachrichtendienstliche Tätigkeit, die dazu diene, "Freunde von Feinden zu unterscheiden" (a.a.O., S. 2). Unabhängige Gerichte seien nicht vorgesehen. Ein
nicht an Recht und Gesetz gebundener Nachrichtendienst erforsche Sachverhalte und ergreife präventive Maßnahmen. Für die Untersuchungen über die Schuld eines Verdächtigten
werde unter Verstoß gegen die im Grundgesetz konkretisierten Prinzipien der Menschenwürde, des rechtlichen Gehörs und des Rechtsstaatsprinzips die Anwendung eines dem
Lügendetektor ähnlichen "E-Meters" freigestellt (a.a.O., S. 4, 5 und 8 f). Das Kapitel Bestrafung enthalte deutliche Aufforderungen zur Selbstjustiz. Externe Gegner würden
verfolgt und regelrecht der Vernichtung preisgegeben (Engelmann, BayVBL 1998, 360; vgl. auch "Das Freiwild-Gesetz" in "Der Geheimdienst der ScientologyOrganisation",
Hamburger Broschüre, Anl B 6, S. 18). e) Verächtlichmachen der Demokratie und ihrer Repräsentanten: Seit den Urteilen des BVerfG zur "Sozialistischen Reichspartei" und zur
"Kommunistischen Partei Deutschlands" gelte die planmäßige Hetze von Parteien und anderen Gruppen gegen Repräsentanten des Bundesrepublik Deutschland durch gehäufte
Beschimpfungen, Verdächtigungen und Verleumdungen als Beleg für den Kampf gegen die freiheitlich demokratische Grundordnung. Es gehe dem Kläger bei seinen Angriffen auf
Politiker und Repräsentanten der Kirche nicht nur um - erlaubte - Teilnahme an der ggf. auch mit "harten Bandagen" ausgetragenen politischen Auseinandersetzung, sondern um
Einschüchterung, Bespitzelung und berufliche Vernichtung - insofern exakt den Vorgaben Ron Hubbards zum Umgang mit "nicht Kooperativen" folgend. Dabei werde mit regelrechten
geheimdienstähnlichen Methoden versucht, personenbezogene Daten über Gegner zu ermitteln, so im Falle der Leiterin der Hamburger Arbeitsgruppe Scientology Frau Caberta
(Beweis: Behördenzeugnis, Anl. B 37). Wenn sich der Kläger insofern auf die "Gegenschlagstheorie" und die Freiheit zur politischen Auseinandersetzung berufe, dann verkenne
er, daß es vorliegend nicht um ein Verfahren wegen Beleidigung oder Schadensersatz gehe. Die Meinungsfreiheit im politischen Kampf bleibe dem Kläger unbenommen. Ebenso
unbenommen müsse es den Verfassungsschutzbehörden aber bleiben, in solchen Äußerungen Anhaltspunkte für verfassungsfeindliche Bestrebungen zu sehen. Die
Verfassungsschutzgesetze seien insofern allgemeine Gesetze im Sinne von Art. 5 Abs. 2 GG. f) Mißachtung der im Grundgesetz konkretisierten Menschenrechte: Im Innenverhältnis
seien Vereinigungen den Mitgliedern gegenüber nicht Grundrechtsadressaten. Wenn im Falle des Klägers dennoch im Hinblick auf Grundrechte erhebliche Anhaltspunkte für
verfassungsfeindliche Bestrebungen konstatiert werden könnten, folge das vor allem im Hinblick auf die grundsätzliche Einstellung zu Nichtmitgliedern und "Aussteigern" und
auf die auch im "Innenverhältnis" verbindliche Menschenwürde der Mitglieder. Auch diese Kriterien habe das BVerfG im "Zeugen Jehovas-Urteil” selbst für
Religionsgemeinschaften hervorgehoben. Sie gälten für sonstige Vereinigungen erst recht. Es bestünden erhebliche Anhaltspunkte, daß die scientology-eigenen Techniken des
"Auditing" und "Clearing" mit dem Menschenbild des Grundgesetzes, mit Selbstbestimmung, Eigenverantwortung und Vermeidung einer "Objektstellung" des Menschen nicht vereinbar
seien. Insbesondere bestünden Anhaltspunkte zu der Annahme, daß die Mitglieder einer regelrechten Gehirnwäsche unterworfen würden, daß seelische Gesundheit einseitig
definiert und dadurch massiv beeinträchtigt und gefährdet werde (Anl. B 39). Nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts gehörten das menschliche Leben und die
körperliche Unversehrtheit zu den Rechtsgütern, die der Staat selbst gegenüber wirklichen Religionsgemeinschaften zu schützen habe. Es sei damit relevant, inwieweit durch
die geschilderten Verfahren die Gesundheit von Mitgliedern und Austrittswilligen beeinträchtigt werde. Im Falle des Klägers komme erschwerend hinzu, daß er schon in seinen "
Werbeaktionen" erkennbar die Notlage von Arbeitslosen ausnutze, um seine Expansionspläne zu verwirklichen (vgl. Anl. B 40). Sei der Betroffene erst einmal eingebunden und
auf dem Weg zum "Clear", dann verdeutliche das als Anlage B 41 beigefügte Bulletin Nr. 39 vom 06.06.1999 des "Inspector General Network", was es aus scientologischer Sicht
mit dem Begriff des "Clear" auf sich habe: "Die Definition von Clear ist: Ein Wesen, das seinen eigenen reaktiven Verstand nicht mehr hat ". Diese klare Absage an
Selbstbestimmung, Individualität und das Menschenbild der Aufklärung sei zugleich eine Absage an das Menschenbild des Grundgesetzes - ein eindeutiger Beleg dafür, daß der
Kläger auch gegenwärtig und systematisch die im Grundgesetz niedergelegten Menschenrechte mißachte. Da die Menschenwürde die Grundlage jeglicher staatlicher Ordnung sei,
könne sich der Kläger insofern auch nicht darauf berufen, daß es sich bei seinen diesbezüglichen Praktiken um innere Angelegenheiten der Vereinigung handele.
Der Kläger antwortet - auszugsweise - auf die eben angeführten konkreten Vorhaltungen des Beklagten wie folgt: a) Eine Begrenzung der Menschenrechte nur für
“Ehrliche” und einen internen Unterdrückungsapparat der SO gebe es nicht. Das Zitat aus dem Buch Dianetik von sei seit Jahrzehnten überholt und stelle in keiner
Weise ein aktuelles gültiges Ideal von Hubbard geschweige denn von der Scientology Kirche dar. Letzteres ergebe sich bereits aus dem ebenfalls von Hubbard verfaßten
Glaubensbekenntnis der Kirche, das eindeutig die allgemeinen Menschenrechte als gottgegebene Rechte postuliere, und aus zahlreichen anderen Richtlinien und
Veröffentlichungen. Im "Kodex eines Scientologen", zu dem sich jeder Scientologe verpflichte, heiße es ausdrücklich in Ziffer 9 als Selbstverpflichtung: "Den Grundsatz des
gleichen Rechts für alle anzunehmen." (Anl. K 72 und Anl. K 42, S. 624). Hubbard habe sich von früheren Gedanken distanziert; in der gesamten Scientology Literatur ab 1952
sei kein weiterer Hinweis auf diese Idee zu finden. Bei Verfassen des Buches Dianetik im Jahre 1950 sei weder die Scientology Religion schon gestiftet noch die Scientology
Kirche gegründet gewesen, dies sei erst zwei bzw. vier Jahre später erfolgt. In einer Anmerkung im Einbanddeckel des Dianetik-Buches werde ausdrücklich darauf hingewiesen,
obgleich diverse Lehrsätze später weiterentwickelt worden seien, werde das Buch dennoch in seiner ursprünglichen Fassung beibehalten, um seine Authentizität zu bewahren
(Anl. K 73). Mit dem angeblichen Ideal, daß nur Clears Bürgerrechte hätten, seien weder das religiöse Erkenntnis - die Aufdeckung der unsterblichen, ewigen Natur der
Geistseele - noch die kirchlichen Entscheidungen bei der Auswahl von Personen und deren Ernennung für bestimmte Aufgabenbereiche – wobei ein “Clear”
keineswegs mehr Rechte habe als andere Mitarbeiter - in Einklang zu bringen. Es werde weder im innerkirchlichen Bereich noch im außerkirchlichen Bereich ein Ideal
propagiert, wonach nur Clears die Bürgerrechte hätten. Auch das weitere im Dianetik-Buch genannte angebliche Ideal, daß nur Personen, die Clear sind, sich ehelichen und
Kinder zeugen sollten, sei obsolet und habe keinerlei Bedeutung im Leben der Mitglieder. Scientologen heirateten Nicht-Scientologen und hätten mit ihnen Kinder ebenso wie
Scientologen untereinander heirateten, dabei sei der Status Clear ganz gleichgültig. In dem Statement von Miscavige (Anl. B 38) beziehe sich dieser lediglich auf Hubbards
Aufsatz “Ehrliche Menschen haben auch Rechte” (Anl. B 15, S. 57). Dieser Aufsatz werde wie alle anderen Quellen zum Thema “Eingrenzung der Bürgerrechte auf
Ehrliche” vom Beklagten völlig mißverstanden und – wie bei vollständiger Lektüre des Aufsatzes auch deutlich werde – in sein Gegenteil verkehrt. Es handele
sich lediglich um ein religiöses Traktat, das zum Ausdruck bringen solle, daß die eigentliche Freiheit die Freiheit des eigenen geistigen Selbst darstelle und diese Freiheit
voraussetze, daß der Mensch ehrlich mit sich selbst und seinen Mitmenschen ist. Sei er es nicht, so führe er sich selbst in eine Form von "geistiger Gefangenschaft" oder
"Sklaverei ", ziehe sich von den Menschen und der Welt zurück und verdamme sich damit selbst. Ein solcher Mensch habe damit seine Freiheit im geistig-spirituellen Sinne
bereits eingebüßt, wenngleich er die politischen Freiheitsrechte noch besitze. Dennoch sei ein solcher Mensch geistig unfrei und dabei, sich selbst und seine Mitmenschen
durch seine geistige Unfreiheit zu zerstören und damit zugleich seine politischen Freiheitsrechte. Hubbard weise den Weg aus dieser geistigen Unfreiheit, der allein darüber
führe, ihm seine Unehrlichkeit aufzuzeigen, indem diese Person "ihrer eigenen Verantwortung in der Gesellschaft ins Auge sieht und sich wieder in Kommunikation mit ihren
Mitmenschen, ihrer Familie und der ganzen Welt begibt". Auf dieser Grundlage würde die Menschheit dem scientologischen Ideal einer Welt ohne Krieg und Kriminalität
wesentlich näher kommen, wie es im letzten Satz dieses Aufsatzes folgendermaßen formuliert sei: "An dem Tag, an dem wir einander vollständig vertrauen können, wird es
Frieden auf der Erde geben. Stehen Sie nicht dieser Freiheit im Weg. Seien sie vielmehr selbst frei." Ein weiteres gewolltes Mißverständnis und eine völlige Verdrehung des
Sinngehaltes liefere der Beklagte bezüglich der Sätze:"Jemandes Recht auf Überleben ist direkt mit seiner Ehrlichkeit verknüpft. . . Freiheit ist für ehrliche Menschen da,
persönliche Freiheit existiert für diejenigen, die die Fähigkeit besitzen, frei zu sein." Was Hubbard hier äußere, sei ebenfalls keine programmatische Forderung, dem
Unehrlichen seine Freiheitsrechte abzuerkennen. Nach dem Verständnis von Scientology werde vielmehr gesagt, daß der unehrliche Mensch sein Recht auf das (geistige) Überleben
in demselben Maße selbst behindere, wie er unehrlich sei, je unehrlicher um so unfreier sei er, um so weniger geistige Überlebensfähigkeit besitze er. Das sei eine
Beschreibung dessen, was sich auf geistig-spiritueller Ebene abspiele, es gehe nicht darum, dem gefehlten Menschen seine Bürgerrechte abzusprechen. Auch das Zitat aus dem
Aufsatz "Die Ziele der Scientology" werde mutwillig in sein Gegenteil verdreht. Das Zitat laute vollständig folgendermaßen: "Eine Zivilisation ohne Wahnsinn, ohne Verbrecher
und ohne Krieg, in der der Fähige erfolgreich sein kann und ehrliche Wesen Rechte haben können und in der der Mensch die Freiheit hat, zu größeren Höhen aufzusteigen - das
sind die Ziele von Scientology." Der Beklagte lasse den scientologischen Kontext, in dem diese Äußerung gemacht worden sei, außer Acht . Es gehe um die Erkenntnis, daß der
Fähige oder der Ehrliche in der heutigen Zeit oft die berechtigten Früchte seines Tuns und Werkens verliere, weil sie ihm von anderen, übelwollenden Menschen streitig
gemacht würden oder auch in Folge eines Krieges. Die Rechte (auch) dieser ehrlichen Menschen wären besser geschützt, bzw. gar nicht erst in dem Maße gefährdet, in einer
Zivilisation ohne Wahnsinn oder Verbrechen und ohne Krieg; Ziel der Scientology sei, die Entstehung des geistig-spirituellen Umfelds einer solchen Gesellschaft durch seinen
Erlösungsweg zu fördern. Aus der zitierten Stelle erschließe sich ein Widerspruch zwischen den Zielen der Scientology und auch aus staatlicher Sicht wünschenswerten
Zuständen nicht. An den genannten Zielen sei nichts Verwerfliches, es seien die Ziele aller gutmeinenden Menschen und aller großen Religionen, eine friedvolle Welt zu
schaffen, die auf den Menschenrechten aufgebaut ist. b) Auch der Vorwurf einer Unterwanderung und Kontrolle von Gesetzgebung, Justiz und Verwaltung sei falsch. Der Beklagte
verweise zur Begründung seiner Unterstellung auf die Richtlinie HCOPL Department of Government Affairs (Abteilung für Behördliche Angelegenheiten) vom 15. August 1960. Diese
laute im Original wie folgt: "The goal of the department is to bring the government and hostile philosophies or societies into a state of complete compliance with the goals
of Scientology. This is done by high-level ability to control and in its absence by low- level ability to overwhelm. Introvert such agencies. Control such agencies.
Scientology is the only game on Earth where everybody wins. There is no overt in bringing good order." Der Beklagte habe dies verfälscht übersetzt, in dem aus dem Wort
"Introvert" (=introver-tieren) das Wort "intrude" ( = hineindringen= unterwandern) gemacht worden sei, er habe zudem den wesentlichen Teil des Zitats ausgelassen, wie sich
der Stifter die Scientology Religion das besagte Tun vorgestellt habe. Eine vollständige und korrekte Übersetzung der betreffenden Stelle lese sich wie folgt: "Ziel des Dept
ist es, Regierungen und feindlich gesinnte Philosophien oder Gesellschaften in einen Zustand völliger Übereinstimmung mit den Zielen von Scientology zu bringen. Dies wird
getan durch die hoch entwickelte Fähigkeit zu kontrollieren und in deren Abwesenheit durch die geringwertige Fähigkeit zu überwältigen. Introvertieren Sie solche Stellen.
Kontrollieren Sie solche Stellen. Scientology ist das einzige Spiel auf Erden, bei dem jeder gewinnt. Es ist keine Sünde, gute Ordnung herbeizuführen." Dies besage absolut
gar nichts über irgendwelche Ideen, den Staat zu übernehmen, seine Ordnung zu ersetzen. Dem Autor gehe es hier einzig und allein um die Verteidigung der Kirche gegen
feindliche gesinnte Angriffe von privater oder staatlicher Seite. Dies ergebe sich auch aus einem Blick auf den historischen Zusammenhang, in welchem das gesamte obige Zitat
stehe. Hubbard habe die Äußerung im Jahre 1961 vor dem Hintergrund einer später für rechtswidrig erklärten Razzia in der Kirche in Washington D.C. gemacht, die in der
rechtswidrigen Beschlagnahme der E-Meter der Kirche resultierte; die E-Meter hätten später aufgrund eines Gerichtsbeschlusses zurückgebracht werden müssen. Die angebliche
Methode zur Umsetzung des Zieles der " Abteilung für Behördliche Angelegenheiten" (Richtlinie vom 15. August 1960), werde auch nicht in der weiter genannten Richtlinie vom
13. März 1961 unter dem Titel" Abteilung für Offizielle Angelegenheiten" dargelegt. Zweck dieser Abteilung sei laut dem dort angegebenen Wortlaut gewesen: "Zweck: Die
Verbesserung der öffentlichen Darstellung, rechtlichen Position und behördlichen Anerkennung von Scientology." Unter diesem Zweck seien diverse "Aktionen" definiert worden.
Die Pressekontakte, den rechtlichen Status der Kirche, die Zusammenarbeit mit Vereinigungen mit ähnlichen Zielsetzungen wie die Kirche, das Verhältnis zu den Zielen der
Kirche entgegengerichteten Vereinigungen und Personen sowie der Umgang mit Behörden seien dargestellt worden, um zu erreichen, daß ein Klima entstehen könne, in welchem
Scientology akzeptiert werde. Richtig sei zwar, daß es dort heiße: "d. Verschlechterung der öffentlichen Überzeugung und der Haltung gegenüber Gesellschaften und Personen,
die Zwecke verfolgen, die den Zielen von Scientology entgegen gerichtet sind." Die Übersetzung des Beklagten weiche aber davon ab, indem sie den im Original enthaltenen
englischen Begriff societies mit "der Gesellschaft" übersetze; gemeint seien jedoch nur private Vereinigungen. Es auf die Gesellschaft zu beziehen, sei ein böser
Übersetzungsfehler, den man vor dem Hintergrund des vorliegenden Verfahrens betrachten müsse. Richtig sei zwar, daß dort folgende weitere Aufgabe im Verhältnis zu Behörden
dargestellt ist: "f. Die Ausübung ständigen Drucks auf Regierungen, um eine Pro-Scientology Gesetzgebung zu erschaffen und von einer Anti-Scientology Gesetzgebung oder
Gesetzgebung von gegnerischen Gruppen von Scientology abzuraten." Damit sei jedoch weder die planmäßige Verunglimpfung des Staates und seiner Repräsentanten noch anderer
Personen beabsichtigt noch werde dies darin gefordert, sondern diese Richtlinie gebe allenfalls eine Anleitung für ihr Presse- und Rechtsamt, mit den in jedem Rechtsstaat
erlaubten und üblichen Mitteln "Druck zu machen", was nichts anderes bedeute als Lobbying in den Formen erlaubter Druckmittel eines Rechtsstaates wie z.B. durch öffentlichen
Meinungskampf, Presse, Diskussionsforen und ähnliches bis hin zu Gerichtsprozessen. Die Beklagte berufe sich weiter auf einen Satz aus der bereits oben zitierten Richtlinie
" Abteilung für Offizielle Angelegenheiten " vom 13. März 1961 , der vollständiger wie folgt laute: "Obwohl es scheinen mag, daß diese Abteilung die Dritte Dynamik als Ziel
hat, wendet sie sich wirklich nur an Einzelpersonen. Um ihre Aktionen zu erreichen, muß sie nur einzelne Personen zu Freunden und Verbündeten machen, die Einfluß ausüben
können. Zum Beispiel: . . .f. Die Aktion, eine Pro-Scientology Regierung zu erschaffen, besteht daraus, einen Freund aus der am höchsten plazierten Regierungsperson zu
machen, die man erreichen kann, was sogar umfassen mag, daß Scientologen im Haushalt und in Büroaufgaben in der Nähe dieser Person eine Stellung annehmen und sich darum
kümmern, daß Scientology ihre Schwierigkeiten und ihren Fall löst". An dieser Zitatstelle sei nicht einmal andeutungsweise eine Beeinträchtigung des Rechtsgrundsatzes der
Rechtmäßigkeit der Verwaltung bzw. der Unabhängigkeit der Gerichte zu erkennen. Gemeint sei vielmehr allein, fern von politischen Interessen persönliche Kontakte aufzubauen,
um eine Möglichkeit zu haben, anderen Personen ein unmittelbares Verstehen über Scientology zu vermitteln, so daß jemand vorhanden sei, der Mäßigung und Fürsprache anmahne.
Auch die Richtlinie vom 27.3.1965 "The Justice of Scientology, its Use and purpose Being a Scientologist" (Anl. K 75) bestätige nicht die Unterstellung, die Kirche wäre
bestrebt, ihr Rechtssystem auf die Gesellschaft zu übertragen und die Rechtsstrukturen des Staates durch ihr internes Kirchenrechtssystem zu ersetzen. Dies ergebe sich zum
ersten bereits aus dem einleitenden Satz der besagten Richtlinie: "Der Grund, warum wir Rechtskodizes besitzen, ist, daß wir Gerechtigkeit haben. Wir wollen oder brauchen
keine Ungerechtigkeiten. ...Wenn wir keine Kodizes besitzen, kann "Recht " alles sein, was irgendeine Autorität daraus machen will.Wir hatten zu viel Launenhaftes, das als
Recht durchging. Es ist an der Zeit, daß wir ein Rechtssystem haben." Es gehe der Kirche nur um ein internes Regelwerk zur Vermeidung von Willkürlichkeiten; von einer
beabsichtigten Übertragung der Rechtsvorstellungen auf die Gesellschaft könne auch im übrigen Text der obigen Richtlinie nicht die Rede sein. Bei der nächsten zitierten
Stelle der obigen Richtlinie habe der Beklagte erneut den davor stehenden Zusammenhang weggelassen, um die eigentliche Bedeutung des Satzes zu verzerren. So besage das
vollständige Zitat: "Hier kann man echte Magie sehen. Zum Beispiel läßt sich jede Verstimmung, die wir haben, auf unser Nichtwissen oder Versäumnis zurückführen, unsere
Technologie und Verwaltungs- und Rechtsverfahren auf die Gesellschaft um uns herum und ihre Individuen, Betriebe und Gruppen anzuwenden. Das ist schlimmer als Sie denken.
Eine Scientology Führungskraft, die mit Dev-T (Zusatz des Klägers: entwickelter und unnötiger Verkehr) von einer Regierungsstelle nicht gemäß unseren Dev-T Richtlinien
umging, wenn es linienabweichend und nicht richtliniengemäß war, hat kürzlich eine Verstimmung verursacht. Ein Regierungsbeamter verhielt sich nicht richtliniengemäß, und
die Scientology Führungskraft folgte nicht unserem Verfahren, dies a) zurück zum Urheber zu schicken, b) den Richtlinien-Irrtum zu korrigieren und c) seine Vorgesetzten zu
informieren, wenn keine Ergebnisse erzielt werden würden. Sie sagen: "Das ist ja abenteuerlich! Gegenüber einer Regierung mit Scientology- Verwaltung zu arbeiten ? " Nun,
ich weiß nur, daß es Ärger verursachte, als wir es nicht taten. Offensichtlich geht es nicht um "sie " und "uns". Es gibt nur “uns " und ein falsches “sie".
Somit brauchen wir ihnen nur ihre Hüte aufzusetzen und sie sind wir." Es gehe hier allein darum, daß die Kirche in ihren eigenen nach innen wie nach außen gerichteten
Bezügen ihre Verwaltungsrichtlinien zur Anwendung bringe, damit ihre internen Abläufe nicht in Verwirrung gerieten, wie in dem von Hubbard dargestellten Beispiel im
Verhältnis zwischen einem kirchlichen Mitarbeiter und einem Behördenangestellten. Die Kirche wende ihre Verwaltungs- und Rechtsgrundsätze nur innerhalb und auf sich selbst
an; sie habe nicht das Ziel, ihr Rechtssystem auf die Gesellschaft zu übertragen. Die Unterscheidung zwischen dem nur für die Kircheninterna und ihre Mitarbeiter gedachten
Scientology-Rechtssystem und den zu den staatlichen Gerichten gehörenden gesetzliche Angelegenheiten ergebe sich eindeutig aus der Richtlinie HCOPL 17 März 1965: "1. Nebst
anderen Funktionen, die HCO innehat, ist es die Rechtsbehörde von Scientology und Scientologen. 2. Alle Angelegenheiten internen Rechts in Orgs, Komitees der Beweisaufnahme
und Beschwerden werden dem auf dem Org Board angegebenen HCO-Personal vorgelegt. 3. Alle Scientologen und Mitarbeiter stimmen, indem sie Posten oder die Mitgliedschaft
annehmen, damit überein, sich an die HCO-Kodizes zu halten. Diese schließen die Rechtskodizes ein. 4. Das HCO-Recht gilt für die ganze Scientology und alle Scientologen. 5.
Wenn wir gesetzliche Angelegenheiten sagen, meinen wir die Gesetze außerhalb und die dortigen Gesetzeseinrichtungen, also z.B. Anwälte, zivile Gerichtshöfe, Prozesse,
Verträge und körperschaftliche und urheberrechtliche Angelegenheiten. Dies fällt unter Abteilung 3. 6. Wenn wir Recht sagen, so meinen wir HCO, Abteilung I, interne
Aktivitäten, wie Komitees der Beweisaufnahme, interne Durchsetzung und Disziplin. Das Scientology-Recht schützt die Rechte von Scientologen, verhindert Ungerechtigkeit,
verhindert Bestrafung aus einer Laune heraus und bringt Ordnung. Vor den Rechtskodizes war die Disziplin nicht für jeden im gleichen Masse unparteiisch und häufig ungerecht.
Die HCO Rechtskodizes verbesserte dies, indem sie Verstöße und Strafen bekannt machten und milderten. HCO-Recht verhindert, daß jemand zu Unrecht in Ungnade fällt,
degradiert, versetzt oder entlassen wird und schützt das Ansehen und die Arbeitsstelle des Mitarbeiters davor, fälschlicherweise bedroht zu werden." (Anl. K 77). Der von dem
Beklagten zitierte Satz, wonach "Gerechtigkeit als das zu verstehen (sei), was der Organisation nützt" finde sich nicht in der von ihm angegeben Fundstelle zum Stichwort
"Justice" im sog. "Modern Management Technology Defined " Wörterbuch (Anl. K 76). Bei dem unvollständig und unrichtig übersetzten Zitat: "Erobern Sie, egal wie, die
Schlüsselpositionen, die Position als Vorsitzende des Frauenverbandes, als Personalchef einer Firma, als Leiter eines guten Orchesters, als Sekretärin des Direktors, als
Berater der Gewerkschaft irgendeine Schlüsselposition“" handele es sich lediglich um einen Aufruf an die Mitglieder der Kirche, sich nicht zurückzuhalten, sondern in
die Welt hinauszugehen und erfolgreich zu sein, nicht zuletzt um die Welt zu einer besseren zu machen. Dieses alleinige Anliegen ergebe sich aus seinen vom Beklagten
ausgelassenen vorangehenden und nachfolgenden Stellen über die Erwartung von Hubbard gegenüber einem Scientologen: "Was erwarten wir von IHNEN? Daß Sie der beste Scientologe
werden, den es geben kann und daß Sie sich auf die Kommunikationslinien der Welt begeben und einen großen Erfolg erreichen, da wo es zählt. Wir erwarten von Ihnen nicht, daß
Sie ein Schild wie ein Doktor an die Tür hängen und eine private Praxis haben. Wir respektieren Sie dafür, wenn Sie das tun. Aber wir werden Sie genauso viel respektieren
und sogar noch mehr, wenn Sie als ein Profi ausgebildet werden und hinausgehen und hinauf in die Welt der Aktion und des Lebens. Erreichen Sie die Schlüsselpositionen mit
welchen Mitteln auch immer - als Leiterin des Frauen-Clubs, als Personaldirektor einer Gesellschaft, als Dirigent eines guten Orchesters, als Sekretärin des Präsidenten, als
Berater der Gewerkschaft - irgendeine Schlüsselposition. Verdienen Sie dabei Ihr gutes Geld, fahren Sie ein gutes Auto, aber bekommen Sie Ihre Aufgabe getan, d.h. befassen
Sie sich mit und verbessern Sie die Menschen, die Sie treffen und erschaffen Sie eine bessere Erde.” (Anl. K 78). c) Der Begriff des “Clear” werde völlig
mißverstanden, “clear the planet” habe nichts mit der Errichtung eines Herrschaftssystems zu tun. Clear sei ein nach der Lehre der Scientology-Kirche ein für
jeden Menschen erreichbarer und sehr erstrebenswerter Erlösungszustand, der im etwa mit der buddhistischen Erlösungsstufe eines “Arhat” vergleichbar sei und sich
auf die Rückerlangung der eigenen, von der Vernunft geleiteten spirituellen Persönlichkeit beziehe. Ein Clear besitze ein sehr hohes Maß an persönlicher Integrität und
Ehrlichkeit und sei der lebende Beweis dafür, daß der Mensch im Grunde gut sei. Dementsprechend stehe auch der Begriff “Clear the planet” im Lehrgebäude der
Kirche für ein erleuchtetes goldenes Zeitalter, in dem die Menschen zu ihrem wahren Selbst zurückgefunden hätten und deswegen entsprechend ihrer eigenen spirituellen Natur
friedlich und menschlich miteinander umgingen. Zu der einzig und allein religiös-weltanschaulichen Bedeutung des Scientology-Begriffs "Clear Planet" müsse darauf hingewiesen
werden, daß Hubbard in der Veröffentlichung HCOB vom 25. Februar 1960 "Scientology kann als Gruppe einen Erfolg haben" (Anl. K 70) einen Weg aufzeigen wollte, wie die Welt
zu einer besseren, vernünftigeren - d.h. 'mehr Clear' - gemacht werden könne. Er verwende in diesem Zusammenhang am Schluß seines Aufsatzes die englische Formulierung: "
Shall we take this step to a clearer earth as our first great group accomplishment ?" (vom Kläger übersetzt:: "Sollten wir diesen Schritt in Richtung auf eine Erde, die mehr
clear ist, nicht als unsere erste große Leistung als Gruppe einstufen ?"). Mit keinem einzigen Wort sei in dieser Ausgabe von Streben nach Weltherrschaft oder politischer
Macht über den Planeten Erde die Rede, sondern das Ziel sei eine Welt von Vernunft, aufbauend auf Ehrlichkeit und gegenseitigem Vertrauen der einzelnen Menschen: "Wenn jeder
von uns Menschen sein Gewissen von allen Verfehlungen gegen seine Mitmenschen entlasten würde, was würde dann mit der Gesellschaft passieren ? Die gesellschaftlichen Übel
des Menschen setzen sich in erster Linie aus seinen individuellen Schwierigkeiten zusammen. Alle Unehrlichkeiten von Einzelpersonen zusammengenommen ergeben die
beeindruckende Gesamtmenge aberrierter dritter (d.h. Gruppen/Nationen) und vierter Dynamiken (d.h. hier Menschenrassen). Kriminalität und Krieg (und gibt es da einen
Unterschied?) sind das Resultat einer atemberaubenden gesellschaftlichen Aberration, die sich wiederum nur aus individueller Aberration zusammensetzt. Menschen, die etwas
anderes glauben, sind einfach verantwortungslos, was ihren Anteil am Ganzen betrifft. Jeder einzelne Mann und jede einzelne Frau auf Erden hat zu diesem gigantischen
Wirrwarr von Verfehlungen beigetragen." Hubbard zeige dann auch auf, was ein gangbarer Weg für Scientology sei, um eine Welt der Vernunft zu schaffen, indem er darauf
hinweist, daß bereits die Auflösung von Feindseligkeiten in der Vorstellungswelt einer Person allein dazu beitrage, die Feindseligkeiten in der Welt der mit ihr verbundenen
Personen aufzulösen. Deshalb komme er zu dem Schluß: “Es ist offenbar nicht notwendig, jede einzelne Person auf Erden zu auditieren, um auf Erden eine Welt der
Vernunft zu schaffen”. "Clear Earth" oder "Clear Planet" stehe also stellvertretend für eine "Welt der Vernunft" . Wegen der nur religiösen Bedeutung des Begriffes
“clear” werde zudem auf einzelne Darstellungen in der Schrift “Lehre und Ausübung einer modernen Religion – Scientology” (GA Bd. III, S. 219)
und die darin enthaltenen Gutachten von Religionswissenschaftlern und –Soziologen verwiesen. Wenn in den vom Beklagten eingeführten Zitaten sinngemäß die Rede davon
sei, den Zustand des “Clears” möglichst vielen Menschen zu vermitteln, komme darin nichts weiter als ein Missionierungsgedanke zum Ausdruck, der auch im
Christentum mit dem berühmten Missionierungsgebot in Matthäus 28,19 seine Parallele habe. Auch Paulus (Römerbrief 8, 19-23) habe die Erlösung durch Christus nicht nur als
Rettung der Christen oder der gesamten Menschheit, sondern als ein Versprechen auf die universale Befreiung, Erneuerung und Wiedererschaffung des gesamten Kosmos betrachtet.
Die Scientology-Mission, zum Zweck der “Erneuerung” der Zivilisation “den Planeten zu klären”, stimme mit dieser - für die Weltreligionen
charakteristischen - unerschütterlichen Überzeugung ihres Glaubens und ihrer Motivation überein; dies sei eine genuin religiöse Motivation und kein politisch motivierter
Auftrag. Auch die übrigen Religionen glaubten, daß sich die Welt verbessere, wenn mehr Menschen sich auf ihre spirituellen und religiösen Werte besännen. Vor diesem
Hintergrund, daß durch Beschreiten des in Scientology vorgesehenen Erlösungsweges eine positive Veränderung eintrete, sei auch das Schreiben der Frankfurter
Scientology-Kirche (Anl. B 34) zu verstehen. Die Unterstellung, der Kläger betreibe das systematische Eindringen in gesellschaftliche Schlüsselpositionen eines Staates,
werde durch nichts belegt. Derartige Vorstellungen habe es zu keiner Zeit in keiner Scientology-Kirche in Deutschland gegeben; derartige Pläne seien auch nicht in dem
Abschlußbericht der Arbeitsgruppe SC aus dem Jahre 1997 festgestellt worden. Dort habe der Bericht ohne nähere Angaben zum Inhalt ein Programm “Admin-Scale Clear
Switzerland” zitiert, das es in Deutschland nie gegeben habe. Dieser Plan sei im übrigen auch in der Schweiz nie realisiert worden; die Schweizer
Verfassungsschutzbehörden hätten keine Tätigkeiten festgestellt, die eine Beobachtung rechtfertigen würden, insbesondere keine nachrichtendienstlichen Tätigkeiten von
Scientology noch gezielte Versuche, die Unterwanderung von Behörden und Unternehmen nachzuweisen (Anl. K 74). Die einst von der früheren Leiterin der Hamburger Kirche ins
Leben gerufene "Clear Deutschland" Kampagne habe sich in keiner Weise auf politische Ziele oder Einflußnahme, sondern allein auf die unmittelbare Erlösung und Befreiung der
Seele und, als zweiten Schritt, die bessere Etablierung der Kirche, ihre Ausbreitung, die Errichtung von mehr Sozialprogrammen gegen das Drogenproblem und ähnliches bezogen.
Die dem zugrundeliegende "Admin Scale" (Anl. K71) sei nie mit der Scientology Kirche Deutschland e. V. abgestimmt worden, so daß sie bereits im März 1995, unmittelbar nach
Bekanntwerden bei der Scientology Kirche Deutschland e. V., aufgehoben worden sei und seitdem nicht mehr gültig sei. d) Die Annahme, daß die Mitglieder einer regelrechten
Gehirnwäsche unterworfen und ihre Menschenwürde mißachtet würden, sei unhaltbar. Scientology unterhalte auch keine Straflager. Es gebe sogenannte "Rehabilitationsprojekte"
allein für Ordensmitglieder im Bereich der sogenannten "Sea Organization", einer nur außerhalb Deutschlands bestehende Ordensgemeinschaft der kontinentalen und
internationalen Kirchen. "Einweisungen" in diese Einrichtung seien im Sinne einer Unfreiwilligkeit überhaupt nicht möglich; jedes dem Rehabilitationsprojekt formell
zugewiesene Ordensmitglied habe selbst zu entscheiden, ob es von dieser Möglichkeit der Rehabilitation Gebrauch machen möchte, ihm stehe es frei, dagegen vor kirchlichen
Gerichten anzugehen. Jedem Mitglied stehe es frei, nicht nur einen Orden, sondern die Religionsgemeinschaft überhaupt zu verlassen (Anl. K 32 S. 40). Bei in Scientology
werde keine “Gehirnwäsche” betrieben, Beweise hierfür bleibe der Beklagte schuldig. Belege für einen solchen Vorwurf gingen nach neuesten wissenschaftlichen
Untersuchungen (Anl. K 33) zudem fast durchgehend auf Aussagen eines kleinen Kreises von jeweiligen Ex-Mitgliedern zurück, die sich der "Anti-Sekten-Bewegung" angeschlossen
hätten. e) Strafverfahren wegen Verunglimpfung, Beschimpfung oder Verleumdung von Repräsentanten der Bundesrepublik Deutschland seien bislang gegen Scientologen niemals
anhängig gemacht worden. Vielmehr seien es staatliche Repräsentanten, die SO öffentlich mit völlig unhaltbaren Behauptungen überzögen, die gebotene Neutralität gegenüber
einer Religionsgemeinschaft vernachlässigten. Hiergegen könne sich der Kläger im Rahmen der Meinungsäußerungsfreiheit zur Wehr setzen. f) Die Scientology-Kirche bekenne sich
generell und nicht zuletzt sogar ausdrücklich in ihrem Glaubensbekenntnis zu den Grund- und Menschenrechten. Was das innerkirchliche Rechtssystem einem Mitglied an Rechten
gewähre, gehe über die staatlichen Mindestgarantien sogar hinaus. Da es nur selten zu Streitigkeiten komme, sei kein permanentes Kirchenjustizgremium vorgesehen. Es gebe
jedoch eine permanente Einrichtung innerhalb der Abteilung des Chaplain (Kaplan) der Kirche; der Chaplain könne im Namen der Kirche Personen ernennen, die dann Teil eines
kirchlichen Schiedsgerichts wären und neutral sein müßten. Der Weg zu den staatlichen Gerichten sei den Mitgliedern in jedem Fall unbenommen. Der Beklagte scheine auch den
Begriff "Nachrichtendienstliche Tätigkeiten" mißverstehen zu wollen. In der englischen Fassung sei von "Intelligence Activities" die Rede. Der Begriff "Intelligence”
umfasse lediglich das Sammeln und Auswerten von Nachrichten und Neuigkeiten, nicht das Sammeln von geheimen Informationen für militärische oder Polizeizwecke, da solche
Zusammenhänge nicht gegeben seien. Damit erledige sich sogleich der erste Einwand der Beklagten eines "nicht an Recht und Gesetz gebundenen Nachrichtendienstes, der
Sachverhalte erforscht und präventive Maßnahmen ergreift". Die zitierte Stelle (Anl. B 19) besage nichts anderes, als daß die Kirche für interne Sicherheit sorge und sich
vor Infiltration - etwa durch V -Leute des Beklagten oder selbsternannte Gegner - und Störungen im Innenbereich schützen wolle. Um dies sicherzustellen, unternehme sie
nichts anderes als Informationen über solche Personen zu sammeln, unter strikter Wahrung insbesondere der Datenschutzgesetze. Deshalb heiße es in der besagten Broschüre: "Es
ist im Grunde eine Tätigkeit, die aus Zuhören und Aktenablage besteht." Dies werde mittels Zeitungsberichten und ähnlicher offener Quellen getan. Ein Verstoß gegen Recht und
Gesetz ergebe sich nicht. Ermittlungen, wie sie die Beklagte durchführe, seien nicht vorgesehen. Und was das Thema "Untersuchung" betreffe, so heiße es dazu in der Broschüre
wie folgt: “Untersuchen ist das sorgfältige Entdecken und Sortieren von Fakten. Ohne eine gute Untersuchung gibt es keine Gerechtigkeit, nur planlose Rache. Wenn wir
untersuchen, dann tun wir das immer geräuschvoll. . . . Die Macht liegt allein schon im Stellen von Fragen!" Bei "geräuschvollen" Untersuchungen könne auch schwerlich von
nachrichtendienstlichen Ermittlungen in dem von dem Beklagten unterstellten Sinne gesprochen werden. Zu Untersuchungen bestehe für die Kirche nur Anlaß, wenn sie angegriffen
werde. Sie unternehme sie, um die Wahrheit herauszufinden im Zusammenhang mit Gerüchten und Unwahrheiten, die jemand verbreite. Absurd sei die Unterstellung, daß die
Broschüre zur "Selbstjustiz" aufrufe. Offenbar sei dem Beklagten unklar, daß hier nicht "Bestrafung" im rechtlichen Sinne von staatlichen Sanktionen gemeint sei. Die
Broschüre sage dazu: "Wo ein Auditor mit Zertifikat die zentrale Organisation angreift oder den Kodex schamlos verletzt, ist die Bestrafung einfach: suspendieren Sie seine
Zertifikate. Wo ein Angestellter auf korrupte oder schlechte Art und Weise handelt, schmeißen Sie ihn hinaus oder suspendieren Sie ihn . . . . Verwenden Sie staatliche
Behörden, wenn es nicht anders geht, wie im Falle einer Unterschlagung oder Körperverletzung.” An keiner Stelle werde zu rechtswidrigen Maßnahmen aufgerufen. Die
Person, die die Kirche betrogen oder verleumdet habe, werde nur aller ihrer Funktionen enthoben und im schlimmsten Fall ausgeschlossen. Das sei das gute Recht jeder
Vereinigung unter dem Aspekt "vereinsschädigendes Handeln" . Und obendrein sei es Richtlinie der Kirche, sich an Recht und Gesetz eines Landes voll zu halten: "Stellen Sie
zuallererst sicher, daß Sie von vorneherein mit beiden Beinen auf dem Boden von Recht und Gesetz des jeweiligen Landes stehen". Mit Selbstjustiz habe das alles überhaupt
nichts zu tun; die Kirche bewege sich im Gegenteil voll auf dem Boden des Rechts. Auch der Vorwurf der Nichtzulassung einer organisationsinternen Opposition sei falsch. Eine
Gesellschaftsform, in der es keine Selbstbestimmung und Eigenverantwortung der einzelnen Mitglieder gebe, sei aber gerade das Gegenteil von dem, was Hubbard als Idee
anerkenne. So äußere Hubbard in einem Richtlinienbrief vom 22. Mai 1969 (“Anweisungen versus Willkürlichkeiten, Anl. K 66): "Ich glaube nicht, daß irgend jemand die
Antipathie, die ich gegenüber autoritärer Herrschaft hege, vollständig versteht. Der Grund, weshalb Sie mich ärgerlich werden sehen, ist zu keinem geringen Teil Protest
dagegen, daß ich gezwungen bin, irgendwie mit einer Situation klarzukommen, die durch Nachlässigkeit anderer auftritt. Warum gerade mich aussuchen, die Lage zu retten ?
Dieses Schiff; dieser Planet und dieses Universum sind auch die Angelegenheit anderer. Ich habe kein Monopol auf die Fähigkeit, zu beobachten und zu handeln. Der Feldzug,
eine Gruppe, die Freiheit als ihr Hauptziel hat, in eine Diktatur zu zwingen, ist bei mir etwa so beliebt, wie ein Feuer in einer Schiesspulverfabrik. Freiheit hängt von
Fähigkeit ab. " Das gleiche habe Hubbard bereits am 22.5.1959 in der Richtlinie "Effizienz zentraler Organisationen " (Anl. K 67) wie folgt geäußert: "Wir werden zu groß,
als daß wir es ablehnen könnten, vor Ort Entscheidungen zu treffen. Wenn wir uns daranmachen, dem Menschen Selbstbestimmung zurückzubringen, müssen wir sie todsicher in uns
selbst und in unseren Aufgabenbereichen an den Tag legen.Wenn der grundlegende Zweck eines Postens oder einer Unterabteilung erst einmal bekannt ist, dann sollten nur zwei
Dinge nötig sein: 1) Selbstbestimmtes und verantwortliches ununterbrochenes Erschaffen der Unterabteilung und des Postens, und 2) die Kommunikationslinien strikt in Ordnung
zu halten. Wenn ich einen Scientologen für einen Posten ernenne oder bestätige, sage ich: "Da, er wird diesen Bereich in den Griff bekommen. " Ich sage nicht: "Nun muß ich
noch ein bißchen Kindermädchen spielen. ".... Wenn wir der Menschheit Selbstbestimmung bringen wollen, müssen wir bereit sein, selbst Selbstbestimmung zu demonstrieren. . .
. Genau hier und jetzt erkläre ich uns für alt genug, um erwachsen zu werden. Wir müssen hier entscheiden - sollen wir ein Mussolini-Imperium haben, in dem nur Rom
Entscheidungen fällen kann ? oder sollen wir straff geführte Unterabteilungen und Posten haben, die sich ihre eigene Ursächlichkeit über ihre Funktionen und Aktivitäten
aneignen. . . .”. Die Folgerung, daß die Scientology Kirche "von unten nach oben durch totalen Gehorsam gekennzeichnet" sei, sei danach offensichtlich unrichtig. Eine
solche Gehorsamsstruktur würde nach dem gesamten Richtlinienwerk gerade zum Thema "Verantwortung " im Rahmen von kirchlichen Aufgabenbereichen Anweisungen und Orders aus den
vom Religionsstifter genannten Gründen eben gegen die grundsätzliche Zielsetzung der Scientology Kirche verstoßen, dem Menschen spirituelle Freiheit bringen zu wollen. Die
umfassende Weisungsbindung bestehe auch aus anderen Gründen nicht. In erster Hinsicht sei der Vorstand der Ortskirche daran gebunden, was ihm von der Satzung seiner Kirche
vorgeschrieben werde. Danach habe er auch zu handeln. Er sei und bleibe letztlich verantwortlich für seine Entscheidungen. Erhalte ein örtliches hauptamtliches Mitglied eine
Order, die destruktiv sei und der Satzung oder den kirchlichen Richtlinien widerspreche, so sei es verpflichtet, beim Anweisungsgeber dagegen zu remonstrieren. Werde auf der
Order beharrt und sei diese nach der Überzeugung des Angewiesenen tatsächlich rechtswidrig, sei letzterer verpflichtet, die Anweisung nicht auszuführen. Das kirchliche
Regelwerk verlange des weiteren von einem örtlichen hauptamtlichen Mitglied, daß er sich in Ausübung seiner Pflichten ausnahmslos an Recht und Gesetz halte; dies sei seine
Pflicht.
Wegen der weiteren Einzelheiten des Sach- und Streitstandes wird auf den Inhalt der Verfahrensakten (5 Bände), den vom Beklagten eingereichten Verwaltungsvorgang des
Landesamtes für Verfassungsschutz (1 Leitzordner) und die von den Verfahrensbeteiligten eingereichten Unterlagen (Beklagter: 4 Leitzordner, 1 Halbhefter; Kläger: 5
Leitzordner) verwiesen.
Entscheidungsgründe
Die lediglich auf Unterlassung der Informationsbeschaffung über den Kläger mittels durch das Berliner Landesamt für Verfassungsschutz mit dem Versprechen oder der Gewährung
vermögenswerten Entgeltes angeworbener Mitarbeiter oder Mitglieder des Klägers – sogenannte Vertrauensleute - gerichtete Klage ist zulässig (A.) und begründet
(B.).
A. Die Unterlassungsklage als Sonderform der allgemeinen Leistungsklage ist die richtige Klageart, da es bei sämtlichen Mitteln der Beobachtung durch den Verfassungsschutz
um schlicht hoheitliche Tätigkeiten geht (vgl. Urteil des VG Berlin vom 31. August 1998 - 26 A 623.97 – S. 5 f). Die Unterlassungsklage ist allerdings nur dann
zulässig, wenn die beanstandete Handlung noch andauert oder deren Wiederholung in absehbarer Zeit droht. Vom Vorliegen dieser Voraussetzungen ist indes auszugehen. Dabei
sind an die erforderlichen Darlegungen des Klägers hier zur verfassungsrechtlich gebotenen (Art. 19 Abs. 4 GG) Gewährleistung effektiven Rechtsschutzes schon deshalb keine
hohen Anforderungen zu stellen, weil der Verfassungsschutz verdeckt arbeitet, der Kläger damit keine Aufklärung über einen gegenwärtig laufenden oder konkret beabsichtigten
Einsatz von Vertrauensleuten erlangen kann. Unter diesen Umständen genügt es zur erforderlichen Darlegung einer Wiederholungsgefahr, daß der Kläger einen unstreitig
geschehenen Vorfall – die versuchte Anwerbung eines seiner Mitarbeiter im Frühjahr 1998 – geschildert und der Beklagte im Rahmen des Verfahrens seine
Rechtsauffassung dargelegt hat, daß der Einsatz von Vertrauensleuten zur Informationsbeschaffung über den Kläger rechtmäßig sei.
Der Kläger ist auch klagebefugt, denn er ist Adressat der von ihm beanstandeten Maßnahme der Informationsbeschaffung, die – auch wenn sich aus dem Einsatz von
Vertrauensleuten noch keine unmittelbaren rechtlichen Folgen für den Kläger ergeben – jedenfalls den grundrechtlich geschützten Bereich seiner internen Korporation
tangiert. Der Kläger ist als privatrechtliche Personenvereinigung jeder staatlichen Beobachtung gleich durch welche Mittel entzogen, sofern nicht ausnahmsweise die
normativen Voraussetzungen für den Einsatz staatlicher Beobachtungsmittel vorliegen. Der Kläger hat damit die Beobachtung durch Vertrauensleute des Landesamtes für
Verfassungsschutz nur dann zu dulden, wenn die gesetzlichen Voraussetzungen hierfür vorhanden sind. Die für die Bejahung einer Klagebefugnis ausreichende Möglichkeit, daß
der Kläger durch die beanstandete Maßnahme in eigenen Rechten – etwa der Vereinigungsfreiheit nach Art. 9 Abs. 1 GG – verletzt sein kann, ist damit
gegeben.
Den Einwendungen des Beklagten gegen die Zulässigkeit einer auf ein einzelnes nachrichtendienstliches Mittel bezogenen Unterlassungsklage ist nicht zu folgen. Dabei geht die
Kammer allerdings davon aus, daß angesichts der Rechtsauffassung des Klägers, seine Beobachtung durch das Landesamt für Verfassungsschutz sei von vornherein rechtswidrig,
auch eine auf Unterlassung jeglicher Beobachtung oder auf Unterlassung des Einsatzes sämtlicher nachrichtendienstlicher Mittel im Sinne von § 8 Abs. 2 des Gesetzes über den
Verfassungsschutz in Berlin – VSG Bln – (in der Fassung vom 25. Juni 2001, GVBl. S. 235) zulässig wäre. Indes ist es im Rahmen einer Leistungsklage dem Kläger,
dem hinsichtlich seines Klageantrags die Dispositionsherrschaft zusteht, nicht verwehrt, statt des weitergehenden Leistungsbegehrens eine – abgrenzbare - Teilleistung
zu verlangen. Dies gilt auch für Unterlassungsklagen. Bedeutsam ist insoweit lediglich, daß – wie später noch näher aufgezeigt wird – nach dem VSG Bln die
Wahrnehmung der Aufgaben des Landesamtes für Verfassungsschutz und der Einsatz nachrichtendienstlicher Mittel unterschiedliche Voraussetzungen hat (vgl. §§ 7 Abs. 1, 8 Abs.
2 Satz 1 erster Halbsatz) und jede ergriffene Maßnahme dem Grundsatz der Erforderlichkeit unterliegt (§ 7 Abs. 3). Damit sind die einzelnen Maßnahmen des Verfassungsschutzes
untereinander abgrenzbar; es könnte sein, daß eine einzelne Maßnahme etwa wegen Nichterforderlichkeit rechtswidrig ist, andere Maßnahmen demgegenüber nicht. Dem Kläger ist
schon angesichts des Prozeß- und Kostenrisikos einer generell gegen seine Beobachtung durch den Verfassungsschutz mit nachrichtendienstlichen Mitteln gerichteten
Unterlassungsklage daher das Rechtsschutzbedürfnis für ein lediglich auf ein einziges Mittel der nachrichtendienstlichen Beobachtung gerichtetes Unterlassungsbegehren nicht
abzusprechen.
Der Kläger muß sich auch nicht auf ein Feststellungsbegehren verweisen lassen; dieses wäre – da bei dem hier in Frage stehenden schlicht hoheitlichen
Verwaltungshandeln ein Widerspruchsverfahren nicht erforderlich ist und damit auch nicht umgangen werden könnte – zwar ebenfalls zulässig, jedoch anders als das
Unterlassungsbegehren nicht vollstreckbar (zur Vollstreckbarkeit des Urteils vgl. unten C.).
B. Die damit zulässige Klage ist auch begründet. Dem Kläger steht ein - gewohnheitsrechtlich anerkannter - öffentlich-rechtlicher Unterlassungsanspruch zu, weil seine
Beobachtung unter dem Einsatz von Vertrauensleuten, die – wie bereits ausgeführt – wenn nicht gegenwärtig vorgenommen wird jedoch zukünftig zu erwarten ist,
rechtswidrig ist, den Kläger in eigenen Rechten verletzt und er nicht zur Duldung verpflichtet ist.
1. Rechtlich ist die Beobachtung des Klägers durch das Landesamt für Verfassungsschutz mit dem nachrichtendienstlichen Mittel des Einsatzes von Vertrauensleuten an folgende
Voraussetzungen geknüpft:
Es müssen zunächst im Einzelfall tatsächliche Anhaltspunkte dafür vorliegen (§ 7 Abs. 1 VSG Bln), daß – hier nur in Betracht kommend – Bestrebungen seitens des
Klägers vorliegen, die gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung, den Bestand oder die Sicherheit des Bundes oder eines Landes gerichtet sind oder eine
ungesetzliche Beeinträchtigung der Amtsführung der Verfassungsorgane des Bundes oder eines Landes oder ihrer Mitglieder zum Ziele haben (§ 5 Abs. 2 Nr. 1 VSG Bln). Solche
Bestrebungen müssen, da der Kläger eine Personenvereinigung ist, politisch motivierte, ziel- und zweckgerichtete Verhaltensweisen gegen die genannten Schutzgüter sein (§ 6
Abs. 1 Satz 1 VSG Bln) und setzen voraus, daß sie auf die Beseitigung oder Außerkraftsetzung wesentlicher Verfassungsgrundsätze abzielen (§ 6 Abs. 2 Satz 1 VSG Bln), wofür
in § 6 Abs. 1 Satz 2 VSG Bln Beispiele bezeichnet sind. Es dürfen nur die zur Erfüllung der Aufgaben der Verfassungsschutzbehörde erforderlichen Maßnahmen, davon die den
Betroffenen am wenigsten beeinträchtigende, ergriffen werden (§ 7 Abs. 3 Sätze 1 und 2 VSG Bln). Nachrichtendienstliche Mittel dürfen auch bei Vorliegen der bisher genannten
Voraussetzungen “nur in begründeten Fällen” (§ 8 Abs. 2 Satz 1 VSG Bln) und nur dann angewendet werden, wenn die Erforschung des Sachverhaltes durch andere,
weniger beeinträchtigende Mittel – wozu insbesondere allgemein zugängliche Quellen und eine Auskunft durch andere Behörden gehören – nicht möglich ist (§ 8 Abs.
4 Satz 1); die Anwendung des nachrichtendienstlichen Mittels soll außerdem “erkennbar im Verhältnis zur Bedeutung des aufzuklärenden Sachverhalts” stehen (§ 8
Abs. 4 Satz 2 VSG Bln). Die näheren Voraussetzungen für den Einsatz der nachrichtendienstlichen Mittel des § 8 Abs. 2 VSG Bln und die Zuständigkeit für deren Anordnung sind
in einer dem Abgeordnetenhaus zur Kenntnis zu gebenden Verwaltungsvorschrift zu regeln (§ 8 Abs. 5 VSG Bln), was – nach der Erklärung des Beklagten – bisher
nicht erfolgt ist. Sind Maßnahmen der Verfassungsschutzbehörde nach den genannten Vorschriften rechtmäßig eingeleitet worden, so sind sie nur solange zulässig, bis ihr Zweck
erreicht ist oder sich zeigt, daß er nicht erreicht werden kann (§ 7 Abs. 4 VSG Bln). Der Einsatz nachrichtendienstlicher Mittel ist unverzüglich zu beenden, wenn ihr Zweck
erreicht ist oder sich Anhaltspunkte dafür ergeben, daß er nicht oder nicht auf diese Weise erreicht werden kann (§ 8 Abs. 4 Satz 3 VSG Bln).
2. Entgegen der Rechtsauffassung des Klägers hat seine Klage nicht schon deshalb Erfolg, weil seine Beobachtung durch die Verfassungsschutzbehörde bereits von Beginn an
– also seit dem Beschluß der Innenministerkonferenz vom 5./6. Juni 1997 – rechtswidrig gewesen wäre. Die Kammer läßt diese Rechtsfrage, obgleich sie für die hier
getroffene Entscheidung nicht maßgeblich ist, bewußt zur Vermeidung künftiger Rechtsstreitigkeiten der Beteiligten im Hinblick auf die Voraussetzungen für eine Beobachtung
des Klägers durch den Verfassungsschutz nicht unbehandelt. Nach Auffassung der Kammer lagen jedenfalls zunächst die – damals noch vom VSG Bln in der Fassung vom 25.
März 1995 (GVBl. S. 254); nachfolgend VSG95 – geregelten Voraussetzungen für eine solche Beobachtung auch unter dem Einsatz nachrichtendienstlicher Mittel vor:
a) Soweit der Kläger gegen das auch nach §§ 7 Abs. 1, 6 Abs. 1 Satz 1 VSG95 für ein Tätigwerden der Verfassungsschutzbehörde notwendige Vorliegen politisch motivierter
Bestrebungen gegen die Schutzgüter des (unverändert gebliebenen) § 5 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 VSG Bln einwendet, daß es sich bei ihm um eine Religionsgemeinschaft handele und
seine Aktivitäten jedenfalls nicht "nur" - d.h. in einem engeren Sinne - politisch, sondern in erster Linie bzw. "auch" religiös motiviert seien und derartige primär
religiös motivierte Bestrebungen von vornherein nicht Grundlage für eine Beobachtung durch den Verfassungsschutz sein könnten, ist dem nicht zu folgen. Auch Bestrebungen
einer Religionsgemeinschaft – wobei ausdrücklich offen gelassen wird, ob der Kläger bzw. die gesamte Scientology-Kirche eine solche ist - können politisch motiviert
sein. Die freiheitlich-demokratische Grundordnung kann auch und gerade durch Bestrebungen gefährdet werden, die etwa im Zeichen eines religiösen Fanatismus geführt werden
und sich mit einem Absolutheitsanspruch gegen die Werteordnung des Grundgesetzes mit seinem konkretisierten Verständnis von individuellen Freiheits- und
Gleichheitsgrundrechten wenden, um auf dem eigenen religiösen Werteverständnis eine neue staatliche Ordnung zu errichten. Der auf einer freiheitlichen Grundordnung
gegründete demokratische Verfassungsstaat ist in seiner historischen Entwicklung nicht zuletzt dadurch kennzeichnet, daß politische Entscheidungen von kirchlichen
Abhängigkeiten zugunsten einer umfassenden Beurteilung unter weltlichen Gesichtspunkten gelöst wurden. Das Bundesverfassungsgericht hat in seiner Zeugen-Jehova-Entscheidung
ausdrücklich festgestellt, daß es dem Staat trotz seiner verfassungsmäßigen Pflicht zur religiösweltanschaulichen Neutralität nicht verwehrt ist, das tatsächliche Verhalten
einer Religionsgemeinschaft oder seiner Mitglieder nach weltlichen Kriterien zu beurteilen, auch wenn dieses Verhalten letztlich religiös motiviert ist (BVerfG, 2 BvR
1500/97 vom 19.12.2000, Absatz 89,
www.bverfg.de). Dieser Grundsatz muß jedenfalls dort gelten, wo sich das
Verhalten einer Religionsgemeinschaft gegen die verfassungsmäßige Ordnung als solche richtet. Zumindest in diesem Fall unterliegt das Verhalten einer Religionsgemeinschaft
staatlichen Einschränkungen und genießt nicht mehr den Schutz des Art. 4 Abs. 1 und 2 GG. Die Religionsfreiheit garantiert einer Religionsgemeinschaft bzw. deren Mitgliedern
nur im Einzelfall den Vorrang unbedingter religiöser Glaubenssätze gegenüber entgegenstehenden Geboten des staatlichen Rechtssystems (BVerfG, 2 BvR 1500/97 vom 19.12.2000,
Absatz 82,
www.bverfg.de). Dieser Grundsatz, den das Bundesverfassungsgericht im Zusammenhang mit der Erlangung des
Status einer öffentlich-rechtlichen Körperschaft aufgestellt hat, gilt bei allen Religionsgemeinschaften, d.h. nicht nur für das Statusrecht aus Art. 140 GG i.V.m. Art. 137
V WRV, sondern für das Grundrecht aus Art. 4 Abs. 1 und 2 GG selbst, das die in das Grundgesetz inkorporierten Religionsartikel der WRV "überlagert" (BVerfGE
33,23/31).
b) Es kann deshalb dahinstehen, ob der Kläger überhaupt als Religionsgemeinschaft anzusehen ist. Für die Frage, ob er durch den Verfassungsschutz beobachtet werden darf,
kommt es hierauf nicht an. Entscheidend ist zunächst allein, ob entsprechende tatsächliche Anhaltspunkte für politisch motivierte Bestrebungen gegen die
freiheitlich-demokratische Grundordnung festgestellt werden können; der Gesichtspunkt der Religionseigenschaft mit Blick auf Art. 4 Abs. 1 GG spielt erst in einem späteren
Prüfungsstadium - im Rahmen der Verhältnismäßigkeit einer Beobachtung bzw. des eingesetzten Mittels – ggf. eine Rolle.
Hinreichende Anhaltspunkte für Bestrebungen des Klägers gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung waren, auch wenn nicht alle vom zugrundeliegenden Bericht der
Bund-Länder-Arbeitsgruppe genannten Aspekte hierfür Relevanz entfalten (hierzu sogleich aa) und bb)) im Zeitpunkt der Aufnahme seiner Beobachtung durch den
Landesverfassungsschutz jedoch vorhanden (cc):
aa) Die für die Beobachtung durch die Verfassungsschutzbehörde vorausgesetzten Anhaltspunkte für politische Bestrebungen können sich weder aus der Binnenstruktur des Klägers
bzw. der Vereinigungen, als deren Teil sich der Kläger versteht, noch aus deren Verhältnis zu den einzelnen Mitgliedern ergeben. Maßgeblich sind, wie bereits ausgeführt, nur
politische Bestrebungen gegen die in § 5 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 VSG Bln (alter wie gegenwärtiger Fassung) genannten Schutzgüter. Ob eine Organisation nach innen undemokratisch
aufgebaut ist und ihren Mitgliedern nicht die gleichen Rechte einräumt wie das Grundgesetz im Verhältnis zwischen Bürgern und Staat oder ob eine Organisation darauf
ausgerichtet ist, sich auf Kosten ihrer Mitglieder - möglicherweise sogar in strafrechtlich relevanter Weise - zu bereichern, ist für diese Schutzgüter, die den Bestand und
die Grundlagen des Staates betreffen, unerheblich. Der Verfassungsschutz hat nicht die Aufgabe, einzelne Bürger vor einer Benachteiligung oder Übervorteilung durch andere
Bürger zu schützen; ebenso wenig hat er eine freiheitlich demokratische Selbstorganisation gesellschaftlicher Gruppen zu überwachen. Mit Ausnahme der politischen Parteien,
für die das Grundgesetz auf Grund ihrer herausragenden Bedeutung im demokratischen Willensbildungsprozeß in Art. 21 Abs. 1 Satz 3 GG eine Sonderregelung getroffen hat, sind
weder Verbände oder Vereine im allgemeinen noch Religionsgemeinschaften im besonderen verfassungsrechtlich verpflichtet, nach innen irgendwelche staatliche Strukturvorgaben
zu beachten. Entscheidend ist allein, ob die Organisation ein Wertesystem, das zur freiheitlich demokratischen Grundordnung im Gegensatz steht, auf die staatliche Ordnung
übertragen will. Darüber hinaus wird von den organisierten gesellschaftlichen Kräften keine politische Loyalität zum Staat verlangt. Dies gilt sogar für
Religionsgemeinschaften, die den Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts besitzen (BVerfG, 2 BvR 1500/97 vom 19.12.2000, Absatz 90,
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