Lexware ist bekannt für seine Anwendungen im Office-Bereich, genannt sei z.B. das häufig genutzte “Quicken” zur Kontenverwaltung. Als nahezu ideale- auf jeden
Fall sinnvolle – Ergänzung dazu für Kleingewerbetreibende oder Freiberufler, hat Lexware das vorliegend getestete Programm “Buchhalter” in der mittlerweile
6. Version auf den Markt gebracht.
Manch eine der Zielgruppen mag sich fragen, ob es denn wirklich eines Programms zur Buchhaltung bedarf, sofern er sich nicht schon fragt, ob es überhaupt der Buchhaltung als
solcher für ihn bedarf. Letztere Frage dürfte rhetorisch sein. Eine korrekte und mithin konsequente und übersichtliche Buchhaltung ist für Unternehmen und deren Erfolg
unerlässlich. Wer nicht Schritt hält mit Buchungsvorgängen, Forderungen, Krediten, Einnahmen und Ausgaben, sowie der obligatorischen Umsatzsteuer, wird entweder im Chaos
enden oder wenigstens – in der Regel – dem Finanzamt Geld schenken. Aber so weit muss es nicht kommen, denn der Buchhalter soll das Alles vermeiden helfen und,
um das Ergebnis vorwegzunehmen: wird es wohl auch tun. Bis dahin gilt es allerdings, die nicht geringe Hürde des Verständnisses der Vorgänge zu überschreiten. Der Rezensent
selbst musste diese Hürde nehmen und weiss, wovon er spricht. Lexware aber ist sich dieser Hürde durchaus bewußt und liefert deswegen neben dem obligatorischen Handbuch auch
ein so genanntes Lehrbuch. Dieses umfasst immerhin 111 Seiten und versucht auf einfachem Niveau die Grundzüge der Buchführung näher zu bringen. Zu unterscheiden ist zunächst
einmal zwischen der doppelten Buchführung und der wesentlich einfacheren Einnahmen-Überschuss-Rechnung. Zu letzterem können jene greifen, die unter § 4 III EStG fallen, d.h.
normalerweise jene, die nicht unter § 141 I AO fallen - gleichbedeutendmit einem jährlichen Umsatz von nicht mehr als DM 500.000 oder jährlich nicht mehr als DM 48.000
Gewinn. Wer nicht unter § 141 AO fällt, kann sich aber dennoch für die doppelte Buchführung entscheiden, wenn er das möchte. Das Lehrbuch zeigt anhand von Buchungsbeispielen
auf, wie im allgemeinen Buchungsvorgänge vor sich gehen, bzw. verbucht werden. Die Beispiele sind leicht verständlich und umfassen einen relativ weiten Bereich. Gerade für
jene, die sich in der Materie nur mehr schlecht als recht auskennen, dürfte dies als Einstieg eine große Hilfe sein.
Die Installation der Software ist unproblematisch; wer dennoch Probleme oder Fragen hat, kann sich an die 0180er-Hotline wenden. Auch eine inhaltliche und technische Hotline
bietet Lexware, allerdings sind das die teuren 0190er-Nummern. Aber Support kostet Geld, das soll deswegen nicht unbedingt bemängelt werden.
Die vorliegende Version 6 bietet als Erweiterung zur Vorgängerversion unter anderem den DATEV-Im- und -Export, ein Kontierungs-ABC sowie integriert ELSTER für die
elektronische Umsatzsteuervoranmeldung. Letzteres dürfte auf großes Interesse stoßen, denn das mitunter monatliche Procedere sollte dadurch doch um einiges weniger lästig
werden. Der Buchhalter leitet auch hier den Benutzer durch alle nötigen Schritte, gibt Hilfestellungen und macht das Ganze damit zu einem Kinderspiel. Bevor man dort
allerdings hinkommt, muss natürlich erst einmal eine “Firma” angelegt werden, d.h. sämtliche Daten des Unternehmens, Daten des Finanzamtes, Steuernummer etc.
eingetragen werden. Aber auch das ist schnell erledigt dank der übersichtlichen Masken und der schrittweisen Vorgehensweise des Assistenten. Irritierend ist allerdings für
einen Laien wohl, dass sich zu den Kontenrahmen (etwa SKR-03) kein einziger brauchbarer Hinweis im Handbuch findet. Wer keine Ahnung hat, was ein Kontenrahmen ist und
welchen er auswählen soll, wird hier ein wenig hilflos sein, sofern er nicht so clever ist und den etwas merkwürdigen Button neben der Auswahl aus Neugier anklickt, durch
den ein Fenster mit der nötigen Erklärung geöffnet wird. Dies könnte man etwas deutlicher gestalten, Platz ist genug da. Ein bißchen Text unter diesen Buttons als Hinweis
würde sicherlich nicht schaden.

Hat man all dies erledigt, geht es richtig los. Dem Nutzer bietet sich eine Fülle an verschiedenen Konten für alle erdenklichen Vorgänge. Wem das nicht reicht, der kann
weitere hinzufügen oder bestehende nach seinen Bedürfnissen abändern. Gut ist die Filtermöglichkeit, die die Masse der Konten nach einer entsprechenden Auswahl auf das
Notwendige reduziert, was die Übersicht erheblich erleichtert. Der Rest ist Routine: eine übersichtliche Buchungsmaske mit Datum, Buchungsnummer, Beschreibungsfeld, Betrag
(brutto/netto, DM/€), Soll- und Habenkonto usw. Je nachdem welches Konto ausgewählt wird, wird die Umsatzsteuer automatisch ausgewiesen und im entsprechenden USt-Konto
verbucht. Selbstredend, dass dadurch der USt-Voranmeldung nur noch ein paar Klicks im Wege stehen.
Der Buchhalter bietet nicht nur für alle nötigen Bereiche Einstellungs-/Individualisierungsmöglichkeiten. Er ist auch mit nützlichen Tools und Berichterstellungsfunktionen
ausgestattet. Genannt sei z.B. der AfA-, Kredit- und Eigenverbrauch-Rechner und die zahlreichen, auch grafischen, Darstellungsmöglichkeiten der Finanzsituation. Interessant
sind auch die umfangreichen, übersichtlich nach Kategorien geordneten betriebswirtschaftlichen Kennzahlen, die eine schnelle Übersicht - tabellarisch oder grafisch - über
z.B. den Verschuldungsgrad geben. Weiterhin gibt es die automatische Erstellung des Jahresabschlusses und die Erstellung einer Einnahme-/Überschuss-Rechnung. Das alles ist
mit wenigen Klicks erledigt. Die Ausgabe kann wahlweise auf dem Bildschirm erfolgen oder natürlich ausgedruckt werden – vorlagefähig, versteht sich. Die Druckfunktion
ist im übrigen mit eigenen Icons etwa für das Journal oder Sachkontenblätter sehr übersichtlich und direkt erreichbar. Man fragt sich dabei, wie man das früher ohne den
Buchhalter alles mehr oder weniger per Hand erstellen konnte – es ist jetzt so unglaublich einfach und schnell!
Der Buchhalter hinterläßt einen sehr guten und professionellen Eindruck. Er mag für den, der lediglich eine E/Ü erstellen will und ein paar wenige Buchungsvorgänge zu
erfassen hat, überdimensioniert sein, was der Funktionalität aber keinen Abbruch tut. Für die doppelte Buchführung ist alles Nötige vorhanden, soweit das getestet werden
konnte; ein unnötiges Zuviel ist nicht ersichtlich. Lexware beweist auch mit dieser Version des Buchhalters, dass man funktionale Software ohne Schnickschnack auf
professionellem Niveau zu einem fairen Preis anbieten kann.