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Zusatzausbildung "Journalismus und Recht" - Ein Erfahrungsbericht

"Journalismus und Recht" - Die Zusatzausbildung an der Uni Münster

Ein Erfahrungsbericht



Schon das Programm las sich verlockend: Mit Vorträgen von Pressesprechern, Zeitungsjournalisten, Fernsehredakteuren und Vertreterinnen des Beck-Verlags versprach das Seminar einen Einblick in fast alle Bereiche, in denen sich unsereins journalistisch tummeln kann. Einmal jährlich, immer Ende Februar/Anfang März, veranstaltet Prof. Hoeren an der Uni Münster ein einwöchiges Seminar, das jungen Juristen Wege in den Journalismus zeigen soll. Studenten können sich ebenso bewerben wie Referendare und Berufsanfänger, für Profis ist es allerdings nicht gedacht. Aus etwa hundert Bewerbungen aus ganz Deutschland wurden 2007 anhand der Bewerbungstexte achtzehn Teilnehmer ausgewählt, von denen die meisten schon erste Erfahrungen in den Medien hatten. Blogger waren ebenso dabei wie Campus-Radio-Journalisten, freie Mitarbeiter von Zeitungen und JuS-Magazin-Schreiber. So konnten wir nicht nur die Referenten "ausquetschen", sondern auch voneinander einiges lernen.

Gleich drei Dozenten waren Pressesprecher: Nach dem Leiter der Unternehmenskommunikation von Linklaters standen uns die Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft Dortmund ebenso Rede und Antwort wie der Pressesprecher des Schwäbischen Turnerbundes, der zuvor für die Allianz gearbeitet hatte und uns daher auch von der Pressearbeit in einem großen Unternehmen berichten konnte. Die Pressesprecherin der StA erzählte uns sehr anschaulich von den Problemen, die beim Konflikt von Persönlichkeitsrechten mit der Neugier von (Boulevard-)Journalisten und dem immer weiter steigenden Zeitdruck in der Berichterstattung auftreten, und der oft unbehaglichen Pufferrolle, die ein StA-Pressesprecher dabei übernehmen muss. Dieser Vortrag wurde in wohl unbeabsichtigt genialer Weise durch den Bericht eines Frontal-21-Redakteurs zwei Tage später ergänzt, der die Gegenposition des Prozessberichterstatters darstellte. Die anderen beiden Pressesprecher erklärten vor allem die Arbeitsweise und das Handwerkszeug eines Pressesprechers. So lernten wir etwa, wie eine Kanzlei juristische Beiträge in Zeitungen unterbringt, wie man eine Pressekonferenz organisiert und wie eine Pressemitteilung geschrieben und verteilt wird. Da sich aber Großkanzlei, Unternehmen und Sportverein stark voneinander unterscheiden, überschnitten sich die Referate inhaltlich kaum und boten insgesamt einen sehr guten, wohl nahezu vollständigen Einblick in die Pressearbeit.

Ein zweiter Schwerpunkt des Seminars war der Zeitungsjournalismus. Wir durften nach Anleitung eine Gerichtsreportage verfassen - eine wahre Herausforderung, war doch die interessanteste Verhandlung an diesem Tag ein Prozess um ausstehende Mietzahlungen. Obwohl wir uns nach Kräften mühten und einige erstaunlich gute Texte dabei herauskamen, hatten diese doch keine Chance auf Veröffentlichung in den Westfälischen Nachrichten Münster, anders als die Produkte mancher Vorläuferseminare. Da wir aber jeden Text gemeinsam besprachen, konnten wir wenigstens einige Lektionen für zukünftige Reportagen mitnehmen. Dazu diente auch ein Referat des ehemaligen Chefredakteurs der Münsterschen Zeitung, der uns über gutes (und schlechtes) Deutsch belehrte. Dass unser Hang zu langen Substantiven sprachlich hässlich ist, weiß jeder, der sein Sprachgefühl über den Stildrill der ersten Semester hinweggerettet hat. Aber dass man möglichst kein "dass" verwenden sollte?! Hier konnten offenbar alle noch etwas lernen. Besonders erhellend war aber das Referat "Wege in den Journalismus und journalistische Handwerkstechniken". Jura ist die perfekte Vorbereitung für einen journalistischen Beruf, lernten wir da, aber man müsse schon früh praktische Erfahrung sammeln, am besten zuerst bei einer Lokalzeitung. Die Unterschiede zwischen den Journalistenschulen erklärte die Referentin ebenso wie die Wege zu einem Volontariat und dessen Wert. Richtig heimisch fühlten wir uns aber, als sie Aufbauschemata für die verschiedenen Textgattungen auspackte!

Noch heimischer wurde es beim Besuch zweier Redakteurinnen des C.H.Beck-Verlags, die erzählten, wie eine juristische Fachzeitschrift entsteht. Das Layout einer solchen Publikation war genauso Thema wie die Akquise von Beiträgen, die Rolle der Herausgeber und die Bezahlung der Autoren und Redakteure, wobei wir die eine oder andere Illusion verloren.
Nicht ganz so stark im Seminarprogramm vertreten waren die Fernsehjournalisten, neben dem schon erwähnten Frontal-21-Redakteur erklärte uns ein Redakteur für Recht und Justiz beim WDR, wie wir in diesen Bereich einsteigen könnten.

Viel Stoff, viele Eindrücke für fünf Tage! Dabei hätten wir eigentlich gern noch mehr von den rhetorischen Übungen mit Prof. Hoeren gehabt, mit denen das Seminar begann. Da wir ihm aber bei einem gemeinsamen Abendessen beim Italiener am vorletzten Tag Lob und Kritik ins Gesicht sagen konnten, wird das Seminarprogramm wohl auch für das nächste Jahr wieder etwas umgestaltet werden. Wenn wir auch am Ende fast alle vom Berufswunsch "Journalist" Abstand nahmen, ich jedenfalls konnte jede Menge praktischer Tipps für die tägliche Arbeit und zukünftige Projekte mitnehmen und kann daher das Seminar nur empfehlen für alle, die gern schreiben und Inspirationen suchen, wie sie dieses Talent mit ihrer juristischen Arbeit verbinden können oder die ganz in den Journalismus wechseln wollen. Im letzteren Fall sollte man die Zusatzausbildung freilich möglichst früh im Studium durchlaufen, damit man all die guten Hinweise noch rechtzeitig erhält.

Heike Leichsenring
14.03.2007

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