Zu jedem Prüfungstermin beginnt das Rätseln um die Nebengebiete im juristischen Staatsexamen: Wird es eine reine Erbrechtsklausur geben? Wann ist wieder Baurecht dran? Und
wie sieht es mit Exoten wie dem Internationalen Privatrecht aus?
Forscher der Universität Karlsruhe (TH) untersuchen derzeit, ob sich Prognosemärkte zur Vorhersage derartiger Ereignisse einsetzen lassen. Der traditionelle
Anwendungsbereich solcher Märkte liegt in der Wahlforschung, wo mit Prognosemärkten in der Vergangenheit sehr gute Vorhersagen erzielt wurden, die sich teilweise sogar
klassischen Umfragen überlegen zeigten. Die grundlegende Idee ist einfach: Teilnehmer handeln mit virtuellen Aktien, die bestimmte Ereignisse repräsentieren - in diesem
Fall Nebengebiete im Examen. Die Auszahlung, die eine Aktie nach Marktschluss erbringt, hängt vom Eintreten desjenigen Ereignisses ab, das der Aktie zugrunde liegt. Für
den Handel heißt das: Je höher die Erwartung eines Teilnehmers ist, desto höher fallen tendenziell seine Gebote aus. Andererseits werden die Teilnehmer versuchen, Aktien
für Ereignisse, die sie für unwahrscheinlich halten, zu verkaufen. Im Handel auf dem virtuellen Markt bilden sich so Preise heraus, die die aggregierte Einschätzung aller
Teilnehmer über das Eintreten der verschiedenen Ereignisse repräsentieren und somit eine Prognose ermöglichen. Hinsichtlich der Themengebiete beim Staatsexamen kursieren
vorab Gerüchte, die denen über Neuigkeiten in Unternehmen nicht unähnlich sind: Professoren, Praktiker und Repetitoren geben Einschätzungen über die Wahrscheinlichkeiten
bestimmter Themenstellungen ab. Mit dem Karlsruher Projekt wird untersucht, ob ein Prognosemarkt hier eine treffsichere Vorhersage treffen kann. Der Markt ist unter der
Internetadresse http://psm.em.uni-karlsruhe.de/ zu finden. Nach einer kostenlosen Registrierung stehen den Teilnehmern neben
dem Markt zum juristischen Staatsexamen auch alle weiteren derzeit aktiven Märkte offen.
Ansprechpartner: Markus Franke, E-Mail psm@em.uni-karlsruhe.de
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